Russlands staatliche Flugzeugbau-Holding UAC (United Aircraft Corporation) hat drei werksneue Su-35S an die russische Luftwaffe übergeben. Das Trio markiert den Abschluss einer Bestellung über 50 Flugzeuge aus dem Jahr 2015. Doch Nachschub ist schon im Anmarsch.

Bis der Stealth-Fighter Su-57 einsatzbereit ist, bleibt die Suchoi Su-35S das beste Kampfflugzeug der russischen Luftwaffe. Die Su-35 gilt als Kronjuwel der erfolgreichen „Flanker“-Familie und trägt nicht ohne Grund den Beinamen „Super-Flanker“. Suchoi selbst bewirbt den Jet als Fighter der Generation 4++, der jedwedem Gegner gewachsen ist – mit Ausnahme der F-22 Raptor von Lockheed Martin. Russlands Luftwaffe scheint diesen Eindruck zu teilen: Immerhin 98 Su-35 lieferte Suchoi in den vergangenen zehn Jahren an die Einsatzverbände aus.




Suchoi / UAC

Ende November übergab Suchoi (UAC) in Komsomolsk am Amur die letzten drei der 50 im Jahr 2015 bestellten Su-35S an Russlands Luftwaffe.

48 plus 50 plus 30

Der erste Auftrag über 48 Maschinen wurde im Jahr 2009 auf dem Aviasalon MAKS unterzeichnet. 2015 folgte eine weitere Order über 50 neue „Super-Flanker“. In den vergangenen fünf Jahren erhielten Russlands Streitkärfte vertragsgemäß zehn neue Su-35S pro Jahr. Ende November konnte Suchoi in Komsomolsk am Amur die letzten drei Maschinen aus diesem Fertigungslos ausliefern. Auch danach wird die Su-35-Produktionslinine allerdings nicht stillstehen: Im Sommer 2020 orderte die Luftwaffe ein drittes Mal neue „Super-Flanker“ – dieses Mal 30 Stück. Ein klarer Hinweis, dass Russlands Militär auf das Muster große Stücke hält.



Superwendiger Mehrzweck-Fighter

Technisch rechtfertigt die „Super-Flanker“ ihren guten Ruf allemal, übertrumpft sie die älteren Mitglieder der Flanker-Familie doch in fast allen Bereichen. Ihre 117S-Turbofans von NPO Saturn liefern 16 Prozent mehr Schub als die Triebwerke ihrer Vorgänger. Strukturelle Verbesserungen bescheren der Su-35S nicht nur mehr Platz für Treibstoff, sondern auch eine Lebensdauer von rund 30 Jahren. Dazu erhielt die „Super-Flanker“ moderne Avionik mit zwei Farbmonitoren im Cockpit, ein leistungsfähigeres Radar zur Verfolgung von bis zu 30 Zielen gleichzeitig, sowie Systeme zur elektronischen Kampfführung. Westliche Beobachter verblüffte die Su-35S bei ihrer Auslandspremiere 2013 in Paris vor allem mit ihrer Wendigkeit: Mit Schubvektordüsen und volldigitaler Flugsteuerung lässt die „Super-Flanker“ physikalische Gesetze wie bloße Empfehlungen erscheinen.



Patrick Zwerger

Die Su-35S fliegt seit Februar 2008. Im April 2009 stürzte einer der Prototypen bei einem Testflug ab, der Pilot rettete sich mit dem Schleudersitz.

Holprige Anfangsjahre

Es ist also kein Wunder, dass die Su-35S für Russland sehr viel mehr darstellt als nur eine Übergangslösung zur Su-57. Umso verblüffender ist die Tatsache, dass sich diese Haltung bei den Streitkräften erst spät durchsetzte und der heutige Erfolg der „Super-Flanker“ vor allem dem langen Atem ihres Herstellers zu verdanken ist. Bis zur ersten Bestellung vor nunmehr elf Jahren hatten Suchoi und seine Zulieferer ihre Entwicklungsarbeiten teils gar selbst finanzieren müssen. Dabei reichen die Wurzeln der heutigen Su-35 bis in die Endzeit der Sowjetunion zurück. Ein erster Prototyp flog bereits 1985. Damals hieß das Flugzeug noch Su-27M und besaß kleine Canards an der Flügelvorderkante. Nach dem Zerfall der UdSSR war aber lange Zeit kein Geld da, um die seit 1992 als Su-35 firmierende „Super-Flanker“ von Staats wegen ordentlich zu würdigen. Dennoch optimierte Suchoi sein Flaggschiff stetig weiter, steckte mehrfach Rückschläge weg – bis 2009 mit dem offiziellen Auftrag über 48 Maschinen schließlich der ersehnte Durchbruch gelang. Aus dem Arsenal der russischen Luftwaffe ist die Su-35 seither nicht wegzudenken. Und angesichts der Auftragslage dürfte das noch einige Jahrzehnte so bleiben.




Suchoi / UAC

Die Su-35S und der Jagdbomber Su-34 (rechts) gelten nicht ohne Grund als Topmodelle der Flanker-Familie.

Technische Daten der Suchoi Su-35S

Konstruktion: Suchoi
Hersteller: KNAAS, Komsomolsk am Amur
Besatzung: 1
Antrieb: 2 x Turbofans NPO Saturn AL-41F-1S (117S) mit Schubvektordüsen
Schub: 86,86 kN ohne und 143,13 kN mit Nachbrenner


Länge: 21,90 m
Höhe: 5,93 m
Spannweite: 14,7 m ohne EloKa-Behälter
Flügelfläche: 62 m2


Leermasse: 17 000 kg
Kraftstoff: 11 500 kg
Zusatztanks: 3200 kg
Waffenzuladung: 8000 kg
normale Startmasse: 25 300 kg
max. Startmasse: 34 500 kg


Höchstgeschwindigkeit: Mach 2.25 in 11 000 m Höhe
Geschwindigkeit in Bodennähe: 1400 km/h in 200 m Flughöhe
max. Steigrate: über 280 m/s in Bodennähe
Dienstgipfelhöhe: 18 000 m
Startrollstrecke: 400 – 450 m mit vollem Nachbrennerschub
Reichweite: 1580 km mit vollen Tanks in Bodennähe, Mach 0.7
Überführungsreichweite: 4500 km mit 2 x 2000-l-Zusatztanks
max. Lastvielfache: + 9 g


Bewaffnung: Die Su-35 besitzt eine eingebaute Kanone GSch-301 mit 150 Schuss. An zwölf Außenlaststationen können Luft-Luft- und Luft-Boden-Waffen aller Art mitgeführt werden, darunter R-77-1, R-27, R-37M, R-73E, R-74M, Ch-31PM, Ch-35U, Ch-38M, Ch-58USch, Ch-59M2A, Lenkbomben (250, 500, 1500 kg)


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