In der sibirischen Winterkälte von Irkutstk hob am Dienstagmorgen der fünfte Prototyp der Irkut MS-21 zum Erstflug ab. Er ist nicht nur der letzte Vertreter für die Testflotte, sondern zugleich auch der erste, der mit neu entwickelten russischen Turbofans fliegt.

Eine Stunde und 25 Minuten währte der Flug, der für Russlands zivilen Flugzeugbau die Tür zu einer neuen Ära öffnen könnte: Zum ersten Mal erhob sich heute Morgen in Irkutsk die MS-21 mit der Baunummer 73055 als fünfter Prototyp des neuen Zweistrahlers in die Luft. Gegenüber seinen vier bereits fliegenden Schwestermaschinen besitzt „Nummer 5“ eine Besonderheit: Während die ersten vier Flugzeuge von Pratt & Whitneys Getriebefan PW1000G angetrieben werden, setzt Irkut beim fünften Prototypen auf Triebwerkstechnik made in Russia: Unter den Flügeln der Testmaschine feierten die neu entwickelten PD-14-Turbofans Premiere.


Russlands Hoffnung: Die Irkut MS-21


Ein maßgeschneidertes Triebwerk

„Aufgabe des Fluges war es, die Betriebsarten des Triebwerks, die Stabilität und Steuerbarkeit des Flugzeugs sowie die Funktion der Systeme zu prüfen“, hieß es vom Hersteller im Nachgang des Jungfernfluges. Das PD-14, entstanden unter dem Dach der staatlichen United Engine Corporation, wurde der MS-21 auf den Leib geschneidert. Irkut will das Triebwerk als zweite Antriebsoption für sein neues Flugzeug etablieren – und außerdem als Basis für eine ganze Familie neuer Turbofans nutzen. Irkut-Kunden werden künftig die Wahl haben, ob sie sich bei ihren MS-21 für den Pratt & Whitney-Antrieb oder für das PD-14 entscheiden wollen. Zum ersten Mal seit dem Zerfall der Sowjetunion wird es damit ein neues russisches Flugzeug mit neu entwickelten russischen Triebwerken geben.



Irkut (UAC)

Der fünfte Prototyp trägt die Modellbezeichnung MS-21-310 – ein Hinweis darauf, dass unter den Flügeln keine US-amerikanischen, sondern russische Triebwerke hängen.

„Zurück in die erste Liga“

Bei Sergej Tschemesow, Generaldirektor des staatlichen Rostec-Konzerns, zu dem Irkut gehört, liegt die Erwartungshaltung entsprechend hoch: „Dieser Flug ist das Ergebnis der Kombination der beiden wichtigsten Programme des russischen Zivilflugzeugbaus – des MS-21-Flugzeugs und des PD-14-Triebwerks“, so Tschemesow nach dem erfolgreichen Erstflug. „Durch die Bemühungen von Wissenschaftlern, Designern, Ingenieuren und Arbeitern entsteht ein Verkehrsflugzeug der neuen Generation, das unser Land zurück in die erste Liga der Weltluftfahrt bringt“. Mit ihrem Flug am 15. Dezember legten die Testpiloten Wasilij Sewastjanow und Andreij Woropajew zusammen mit Testingenieur Alexander Solowjew zumindest einen Grundstein dafür.