Geliebt und gehasst, vergöttert und verdammt: Die Lockheed F-104, der legendäre Starfighter, zählt zweifellos zu den spektakulärsten Jets, die je am Himmel zu sehen waren. Nur sehr wenige F-104 sind heute noch flugtauglich. Ende Januar kam in Florida eine hinzu.

Es war ein besonderer Moment, als am 26. Januar auf dem Gelände des Kennedy Space Center das Aufheulen eines General Electric J79-Triebwerks die Idylle durchschnitt und ein pechschwarz lackierter Starfighter-Doppelsitzer an die Bahnschwelle zum Start rollte. Monatelang hatten die Mechaniker des Unternehmens Starfighters Aerospace an dem fast 52 Jahre alten Flugzeug gearbeitet, um es wieder in die Luft zu bringen. Nun galt es: der erste Testflug stand an, und Starfighters-Chef Rick „Boss“ Svetkoff ließ es sich nicht nehmen, höchstselbst den Schubhebel im Cockpit nach vorn zu schieben – und den schwarzen Zweisitzer schließlich beherzt hinauf in den stahlblauen Himmel Floridas zu ziehen.



Die Zuflucht der letzten Starfighter

Der Starfighter, die bemannte Rakete, die 1954 erstmals flog, ist seit gut 25 Jahren ein bestimmender Teil im Leben von Rick Svetkoff. Mitte der 90er-Jahre kaufte der einstige Navy- und damalige Airline-Pilot zwei ausrangierte CF-104 aus kanadischer Produktion und gründete „Starfighters Inc.“ – ein privates Unternehmen, das zunächst vor allem mit Auftritten bei Flugshows von sich reden machte. Die besonderen Flugleistungen der F-104 brachten es jedoch mit sich, dass Svetkoff und seine „Starfighters“ in zunehmendem Maß auch andere Aufgaben übernahmen – von Fotoflug-Missionen über Testpilotentraining bis hin zu Avioniktests und Forschungseinsätzen. Längst ist das nun als „Starfighters Aerospace“ firmierende Unternehmen in diesen Bereichen eine feste Größe – und das Kennedy Space Center der weltweit einzige Ort, an dem man gleich mehrere Starfighter leibhaftig in Aktion bewundern kann.



Von vier auf sieben

Vier einsatzbereite F-104 stehen aktuell bei Starfighters Aerospace im Hangar. Die beiden Ursprungsexemplare sind als Backups ins zweite Glied gerückt. Ersetzt wurden sie durch eine einsitzige F-104S und drei zweisitzige TF-104G-M aus den Beständen der Aeronautica Militare, wo der Starfighter bis 2004 im Einsatz stand. Weitere italienische F-104 warten in Florida noch auf ihr Comeback. Geplant ist, die Zahl der einsatzfähigen Exemplare auf sieben zu erhöhen – was uns wieder zurück bringt zu den Ereignissen des 26. Januar 2021.


Baujahr 1969, made in Italy

Bei dem schwarz lackierten Doppelsitzer, der an diesem Tag – und am darauffolgenden Tag erneut – seine Runden über dem Kennedy Space Center drehte, handelt es sich um eine 1969 in Italien gebaute TF-104G-M. Das Flugzeug mit der Konstruktionsnummer 583H-5209 kam im Oktober desselben Jahres zur italienischen Luftwaffe und flog mehr als drei Jahrzehnte lang bei der 20° Gruppo in Grosseto, bis es 2004 schließlich ausgemustert wurde. 2011 kam es mit weiteren Artgenossen zu den Starfighters nach Florida, wurde „zivilisiert“ und erhielt die Kennung N991SF. Ihr dramatisches, mattschwarzes Antlitz erhielt die TF-104 im Jahr 2016 – zusammen mit ihrem neuen Spitznamen: „Black Beauty“.




Matt Haskell (Starfighters Aerospace)

„Black Beauty“: Der Name ist keine Untertreibung. Der Starfighter strotzt auch 67 Jahre nach seinem Erstflug noch vor Sex Appeal.

Ein Vollblut vor dem Herrn

Dass das italienische Vollblut auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seinem Jungfernflug noch voller Feuer ist, bewies „Black Beauty“ am 26. und 27. Januar bei den beiden Testflügen eindrucksvoll. Er sei „sehr zufrieden“ mit den erflogenen Leistungen, konstatierte Starfighters-Boss Svetkoff nach seiner Rückkehr vom ersten Testflug gegenüber dem Portal „Warbird Digest“. Sein Kollege Piercarlo Ciacchi, der tags darauf den zweiten Testflug mit der N991SF absolvierte, klang noch ein Stück euphorischer: „Ich war extrem überrascht, wie gut die Maschine nach doch einiger Zeit am Boden funktionierte. Sie reagierte gut, ließ sich präzise steuern und ist immer noch unglaublich schnell“, so Ciacchi, der dieselbe F-104 einst schon bei der Aeronautica Militare flog. „Der Starfighter ist auch nach so vielen Jahren noch ein erstaunliches Flugzeug!“



Matt Haskell (Starfighters Aerospace)

Mit Vollgas zum Comeback: Nach Abschluss der Testflüge, soll die N911SF die aktive Starfighters-Flotte bereichern – und auch für Pilotentrainings verfügbar sein.

Starfighter für jedermann

In den kommenden Wochen wollen die Starfighters ihre Tests mit der N991SF weiter fortsetzen. Danach soll der Doppelsitzer die Flotte der aktiven F-104 am Kennedy Space Center bereichern – und, zusammen mit einem weiteren Doppelsitzer, nicht nur Testpiloten schulen, sondern auch solventen Hobbyfliegern offenstehen, die sich einen Traum erfüllen möchten. Die FAA hat dieses ultimative Abenteuer bereits im Jahr 2017 abgesegnet. Die ersten zivilen Piloten haben bereits ihr Type Rating auf dem Starfighter absolviert. „Wer immer wünscht, damit zu fliegen“, soll das auch dürfen, erklären die Starfighters auf Facebook – vorausgesetzt er besitzt eine gültige Pilotenlizenz, ist weniger als 110 Kilogramm schwer und hat das nötige Kleingeld in der Tasche.


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