Erstmals seit elf Jahren sucht die europäische Raumfahrtagentur wieder Astronauten und Astronautinnen. Dabei gibt es ein Novum.

Staatsbürgerschaft eines ESA-Mitgliedstaates oder eines Landes mit Kooperationsvertrag, einen Masterabschluss in Natur- oder Ingenieurswissenschaften, fließende Englischkenntnisse sowie die Beherrschung einer weiteren Fremdsprache, eine starke Motivation und hohe Stressresistenz: Das sind nur einige der formalen Kriterien für eine Bewerbung als Astronaut. Körperliche Fitness ist für die Kandidaten ebenfalls wichtig – wobei die ESA erstmals in der Geschichte der astronautischen Raumfahrt explizit auch Menschen mit körperlicher Behinderung sucht.


Im Rahmen der „Parastronaut“-Machbarkeitsstudie können sich Menschen bewerben, die Einschränkungen der unteren Gliedmaße aufweisen, beispielsweise einen oder zwei amputierte Füße oder Unterschenkel, aber auch unterschiedlich lange Beine haben. Auch Kleinwüchsige sind nicht ausgeschlossen. Die ESA will nach eigenen Angaben mit den internationalen und kommerziellen Raumfahrtpartnern auswerten, unter welchen Umständen der oder die Ausgewählte im Rahmen einer sicheren und nützlichen Mission zur Internationalen Raumstation ISS fliegen kann. „Wir sind alle nicht gemacht für das Leben im Weltraum. Was uns dazu befähigt, ist die Technologie. Also müssen wir die Technologie entsprechend anpassen“, so die italienische ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti bei einer virtuellen Pressekonferenz am Dienstag.


Sechsstufiger Auswahlprozess innerhalb von 18 Monaten

Die ESA sucht nach zwei unterschiedlichen Profilen: Berufs- und Reserveastronauten. Parastronauten und Parastronautinnen fallen in die zweite Kategorie. Diese Kandidaten werden nur temporär im Rahmen einer Mission von der ESA angestellt. Die Berufsastronauten werden dauerhaft ESA-Mitarbeiter. Mindestens sechs solcher Berufsastronauten würden nach Abschluss dieser Rekrutierungskampagne eingestellt, so David Parker, ESA-Direktor für astronautische und robotische Exploration.


Bewerbungen sind zwischen dem 31. März und dem 28. Mai ausschließlich online möglich über www.esa.int/About_Us/Careers_at_ESA/ESA_Astronaut_Selection. Im Anschluss folgt ein sechstufiger Auswahlprozess, in dem die Bewerber unter anderem psychologisch und medizinisch untersucht werden. Im Oktober 2022 soll dann feststehen, wer die Chance auf einen oder mehrere Flüge zur ISS, zum Gateway, der geplanten Raumstation im Mondorbit, zur Mondoberfläche oder vielleicht sogar einmal zum Mars bekommen wird.


Bei der letzten Rekrutierungskampagne 2008/2009 hatten sich mehr als 8000 Menschen beworben, sechs haben sich am Ende durchgesetzt: Samantha Cristoforetti (Italien), Andreas Mogensen (Dänemark), Luca Parmitano (Italien), Timothy Peake (UK), Thomas Pesquet (Frankreich) und Alexander Gerst (Deutschland). Seit 2015 gehört auch der Deutsche Matthias Maurer zum Astronautenkorps der ESA.


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