20 Boeing 747-8I hatte die Lufthansa einst eigentlich bei Boeing bestellt. Übernommen hat sie nur 19 – ein Jumbo, den Boeing fürs Testprogramm verwendet hatte, blieb beim Hersteller. Jahrelang stand er in der Wüste. Jetzt hat ihn Boeing anscheinend doch noch verkauft.

Noch immer verrät die Lackierung in den Lufthansa-Grundfarben, dass dieses Flugzeug einst als 20. Boeing 747-8I für den Kranich bestellt worden war. Allerdings war Lufthansa nachträglich von der Bestellung zurückgetreten, weil Boeing das Flugzeug wesentlich intensiver in die Flugerprobung eingeunden hatte als vertraglich vereinbart. Außerdem hätten zahlreiche technische Veränderungen diese früh gebaute 747-8 gegenüber ihren später hergestellten 19 LH-Serienschwestern zur Exotin gestempelt. Lufthansa ist dafür bekannt, möglichst immer zusammenhängende Produktionslose abzunehmen, um damit die Wartung zu vereinfachen.



Mehr gestanden als geflogen

Und so kam es, dass die bestellte und nicht abgeholte 747-8I niemals ihr angedachtes Kennzeichen D-ABYE erhielt. Stattdessen fristete die verschmähte Testmaschine mit der MSN 37826 und der Werknummer 1435 jahrelang ein eher trostloses Dasein, verbrachte sie den Großteil ihres Flugzeuglebens doch auf diversen Flugzeugfriedhöfen in den USA. Die Odyssee begann am 21. Mai 2015 mit einem knapp zweieinhalbstündigen Flug zum Pinal Air Park in Marana, Arizona. Dort blieb sie eingemottet bis zum Sommer 2017, kam dann für eine Weile zurück nach Everett ins Boeing-Werk, flog von dort nach San Antonio auf die Lackland Air Foce Base und landete schließlich im Juni 2018 auf dem Flughafen Victorville in der Mojave-Wüste. Dort steht sie noch heute und lässt sich sanft schlummernd die kalifornische Sonne auf den Rücken brutzeln.



Patrick Zwerger

Lufthansa übernahm nur 19 ihrer 20 bestellten Boeing 747-8I. Die designierte D-ABYE blieb beim Hersteller, könnte nun aber als VIP-Flugzeug durchstarten.

Bestellung von anonymem Kunden

Nun aber könnte die als N828BA registrierte 747 doch noch in eine neue Karriere starten. In der Bestellübersicht für Februar 2021 führt Boeing unter dem Kapitel „unerfüllte Bestellungen“ nicht nur zwölf neu zu bauende 747-8-Frachter für Atlas Air und UPS auf, sondern auch ein Exemplar in der Passagierversion für einen nicht genannten Kunden. Laut einem Bericht der niederländischen Website Scramble handelt es sich bei diesem Flugzeug um die N828BA. Da Boeing schon seit Jahren keine neuen Passagierjumbos mehr produziert und die N828BA als derzeit einzige existierende 747-8I noch im Besitz des Herstellers ist, erscheint dies nur logisch. Boeing hatte das zehn Jahre alte, technisch jedoch noch sehr junge Flugzeug bis 2015 außerdem aufwändig nachgerüstet und strukturell überholt. Gut möglich also, dass die verschmähte 747 bald als VIP-Jumbo an den Himmel zurückkehrt – und die Odyssee der N828BA am Ende doch noch eine glückliche Wendung nimmt.


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