Chinas Luftfahrtindustrie hat ein Problem: Man hat zwei eigene, selbst entwickelte Stealth-Fighter, aber es hapert noch immer am zugehörigen Triebwerk. Mit dem Kauf der ukrainischen Firma Motor Sitsch wollten die Chinesen das ändern. Doch der Deal scheiterte.

Es ist ziemlich genau zehn Jahre her, da schockte China den Westen mit einer Erfolgsmeldung: Mitte Januar 2011 erhob sich im Reich der Mitte die Chengdu J-20 in den Himmel. Der Jungfernflug des ersten in China entwickelten Stealth-Kampfflugzeugs war geglückt. Im Oktober 2012 zog mit der Shenyang FC-31 sogar noch ein zweiter Stealth-Fighter aus China nach. Um den Ranken sich zwar seither viele Mythen und angeblich soll er als Basis für einen trägergestützten Kampfjet der Zukunft dienen – doch zumindest die J-20 ist längst serienreif: Etwa 90 Exemplare stehen laut chinesischen Presseberichten mittlerweile im Dienst.


Chinas Triebwerk – ein Rohrkrepierer?

Einen Makel jedoch hat dieser Erfolg: Fast alle bislang gebauten J-20 fliegen mit russischen Motoren. Es existiert nach verfügbarer Quellenlage lediglich ein Prototyp mit dem chinesischen Antrieb WS-10B. Sämtliche Serienjets dagegen sind mit je zwei AL-31FN von NPO Saturn bestückt – mit demselben Triebwerkstyp also, der schon die ältere Chengdu J-10 antreibt. Die Entwicklung eines eigenen, maßgeschneiderten Antriebs, des WS-15, hinkt dem Flugzeug selbst seit Jahren hinterher. Zuletzt war zu hören, dass das WS-15 mit starkem Schubverlust zu kämpfen hat, sobald es eine kritische Betriebstemperatur erreicht. Dieser Verlust soll dem Vernehmen nach bei rund 25 Prozent liegen. Das WS-15 sei zudem sehr störungsanfällig und wenig zuverlässig.

Wege aus der Abhängigkeit

Offenbar fürchtet China, dass man das Problem aus eigener Kraft nicht adäquat gelöst bekommt. Von den Russen ist nur eingeschränkte Hilfe zu erwarten – laut Berichten will Russland weitere AL-31, zumal in modernisierter Version, nur dann verkaufen, wenn China im Gegenzug zusätzliche Suchoi Su-35 abnimmt. Technische Entwicklungshilfe will man den Chinesen nicht für lau leisten. China streckte deshalb seine Fühler verstärkt in die Ukraine aus. Dort sitzt der traditionsreiche Triebwerkhersteller Motor Sitsch, der jedoch seit der Krim-Krise 2014 in argen Schwierigkeiten steckt, weil durch den Konflikt mit Russland der mit Abstand wichtigste Markt der Firma wegbrach.


Motor Sitsch „an das Volk zurückgeben“

Mehrere chinesische Investoren, darunter das Unternehmen Beijing Skyrizon Aviation, wollten Motor Sitsch kaufen und das technische Knowhow der Ukrainer für die eigene Triebwerksentwicklung nutzen. Schon seit Jahren hatte China Motor Sitsch im Auge, auch um die Entwicklung eigener Hubschrauber voranzutreiben. Jetzt schob die ukrainische Regierung dem Deal jedoch einen Riegel vor: Statt in chinesischer Hand zu landen, soll Motor Sitsch verstaatlicht werden. Man werde die Firma „an das ukrainische Volk zurückgeben“, sagte Oleksey Danilow, Leiter des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, vergangene Woche. „Die Ukraine befindet sich in einem Kriegszustand und kann es sich nicht leisten, das Unternehmen, von dem die ukrainische Verteidigungsfähigkeit abhängt, in die falschen Hände zu geben“, so Danilow weiter.



Alert5 (CC BY-SA 4.0)

China erhofft sich, durch den Kauf von Motor Sitsch seine eigene Triebwerksentwicklung voranzubringen.

Druck aus den USA

Wie es heißt, erfolgte die Entscheidung der ukrainischen Regierung jedoch nicht allein aus eigenem Interesse, sondern vor allem auch auf Druck der USA. Dort steht Skyrizon, neben anderen chinesischen Firmen, seit Mitte Januar auf einer schwarzen Liste des Verteidigungsministeriums, die aus Sicht der US-Regierung Relevanz für Chinas Rüstungsindustrie besitzen. Die USA fürchten, ebenso wie Russland, dass der Verkauf von Motor Sitsch Chinas Bemühungen in der Triebwerksentwicklung im wahrsten Sinne starken Schub verleihen könnte. „Dieses Problem wird von allen großen alliierten Nationen sehr genau beobachtet“, zitiert das Magazin Breaking Defense hierzu eine westliche Geheimdienstquelle. Es sei „nicht unser Interesse“, wenn China „diese ziemlich bedeutende Lücke“ ihrer Rüstungsindustrie schließen könne.


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