Embraer sucht nach einem Partner für ein neues Verkehrsflugzeug. Boeing ist keine Option mehr – dafür aber ein Konkurrent, der weder den US-Amerikanern noch den Europäern gefallen dürfte. Klappt eine Zusammenarbeit, öffnet sich für Embraer ein beachtlicher Markt.

Laut der Nachrichtenagentur „Reuters“ hofft Embraer-Chef Francisco Gomes Neto, dass er bald einen Partner benennen kann. Embraer hat 2020 gut 730 Millionen US-Dollar Verlust verzeichnet, die Auslieferungen halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr. Erst im letzten Quartal 2020 gelang es dem Flugzeugbauer, die Verluste auf drei Millionen US-Dollar zu reduzieren. Embraer lieferte 2020 44 Verkehrsflugzeuge aus, 28 davon im vierten Quartal. Mitten in der Krise hatte Boeing einen Rückzieher gemacht – und kurz vor der für Mai avisierten Vertragsunterzeichnung die Übernahme der Embraer-Zivilflugzeugsparte für geplatzt erkärt.


Turboprop in der Pipeline

Zu jenem Zeitpunkt hatte Embraer bereits die Produktionsorte und -abläufe des Zivilflugzeugprogrammes von den anderen Geschäftsbereichen getrennt. Derart vorbereitet eine neue Partnerschaft einzugehen, würde den logistischen Aufwand auf ein Minimum reduzieren. Genaue Angaben, welche Bereiche des Embraer-Geschäfts eine solche Partnerschaft umfassen könnte, machte Gomes Neto nicht – kurz nach dem geplatzten Deal mit Boeing schien jedoch durch, dass der Flugzeugbauer sich nicht mehr auf eine derart umfassende Übernahme einlassen würde und stattdessen Partnerschaften für konkrete Programme anstrebt. Schon der Vertrag mit Boeing sah die Entwicklung eines neuen Turboprops vor. Ende vergangenen Jahres sagte Neto, dass diese Pläne bereits sehr konkret seien.



Embraer

Eine Partnerschaft mit Comac könnte den Embraer E2-Jets das Tor zum chinesischen Markt öffnen.

Zivilflugzeug-Chef lobt asiatisches Potenzial

Brasilianische Medien berichteten von einem Flugzeug mit konventionellem Antrieb und einer Sitzkapazität für zwischen 70 und 100 Passagiere. Auf über 2.000 Stück schätzt der Flugzeugbauer die Nachfrage für ein solches Flugzeug zwischen 2027 und 2039 demnach ein. Doch für die Entwicklung braucht Embraer mehr Geld. Unterdessen lobt der Chef der Zivilflugzeugsparte Arjan Meijer die Möglichkeiten, die der chinesische Markt bietet. „Wir sehen dort ein riesiges Potenzial“, zitiert ihn „Nikkei Asia“. Mindestens ein Drittel der insgesamt 5.500 Jets in der Größenordnung von bis zu 150 Sitzen könnten ihm zufolge in den kommenden zehn Jahren in Asien und insbesondere in China verkauft werden.


China-Zugang für E2-Jet

Gleichwohl könnte Embraers E2-Familie laut Meijer eine Lücke im Portfolio des chinesischen Flugzeugbauers Comac füllen: in der Größe zwischen der C919 und der ARJ21 gelegen, wäre es ihm zufolge der ideale Jet, um chinesische Städte miteinander zu verbinden. „Mit Chinas Bestrebungen, in die Städte und umliegende asiatische Länder zu expandieren, glauben wir, dass es große Chancen bietet, den chinesischen Airlines Zugang zum E2 zu geben“, sagte der Manager. Einen solchen Zugang wird Embraer von der zunehmend selbstbewusst auftretenden und autokratischen Wirtschaftsmacht China nicht bekommen. Dennoch dürfte es Embraer nicht schaden, mithilfe einer Partnerschaft den Fuß in die Tür zum chinesischen Markt zu setzen.


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