Pilotprojekt in Israel

Eine Vielzahl an unbemannten Systemen parallel sowie insbesondere sicher im selben Luftraum betreiben zu können, das ist eine der Grundvoraussetzungen dafür, dass künftige Geschäftsmodelle skalierbar sowie wirtschaftlich rentabel werden. Oder anders ausgedrückt: Für die Drone-Economy ist nicht nur die Frage der Integration in den bemannten Flugbetrieb wichtig, auch die Interaktion von Drohnen unterschiedlicher Betreiber muss in Echtzeit aufeinander abgestimmt sein. Ein spannendes Pilotprojekt dafür wurde jetzt in Israel gestartet. Dabei sollen perspektivisch bis zu 20 Drohnen von fünf Anbietern gleichzeitig über dem Stadtgebiet von Hadera fliegen. Ermöglichen soll das ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Unmanned Traffic Management (UTM) des Start-ups Airwayz, das Drohnen per Mesh-Netzwerk koordinieren kann.

Von Jan Schönberg

Während insbesondere Test- und Demonstrationsflüge für Drohnenanwendungen über urbanen Gebieten häufig zu bestimmten Zeiten auf exakt festgelegten Routen stattfinden, hält der künftige UAV-Einsatz im Regelbetrieb natürlich Unwägbarkeiten bereit, die eine starre Wegplanung unmöglich machen. (Lese-Tipp: Urbanen Drohnen-Verkehr effizient organisieren) So könnten Rettungshubschrauber in Notfällen zum Einsatz kommen oder auch andere Drohnen für Verkehr sorgen. Gründe, warum insbesondere über dichter besiedelten Gebieten temporäre Hindernisse einen vorab geplanten Flugkorridor blockieren könnten, gibt es viele. An dieser Stelle setzt ein in der nördlich von Tel Aviv gelegenen Stadt Hadera gestartetes und auf zwei Jahre angelegtes Pilotprojekt an. Hier sollen bis zu 20 Drohnen von fünf unterschiedlichen Betreiberfirmen gleichzeitig unterschiedliche Einsätze simulieren: vom Warenverkehr über medizinische Transporte bis hin zur Pizzalieferung. Und das gleichzeitig und situativ koordiniert, sodass sich Flug- und Ausweichrouten immer wieder kreuzen können. Erschwert wird das Ganze noch dadurch, dass alle fünf Firmen individuelle Navigations- und Steuerungssysteme nutzen.

Wirtschaftlich tragfähige Drohnenlieferungen

Das scheinbar unplanbare „Chaos“ am Himmel in geordneten Bahnen halten soll ein autonom agierendes UTM-System von Airwayz. Voll automatisiert überwacht die Software den Flugbetrieb, gibt Flugkorridore und gegebenenfalls erforderliche Ausweichmanöver vor. „Die Lieferung per Drohnen hat das Potenzial, die Sicherheit, Geschwindigkeit und Effizienz von Transportsystemen auf der ganzen Welt drastisch zu erhöhen. Bisher haben wir jedoch nur Pilotprojekte gesehen, bei denen Drohnen sich in einem Korridor des Luftraums vor und zurück bewegen. Dies schränkt die Anzahl der Drohnen ein, die in einem bestimmten Gebiet eingesetzt werden können und es besteht das Risiko, dass ganze Operationen unmöglich werden, wenn irgendein Teil des Korridors während der Mission nicht mehr zur Verfügung steht“, erklärt Eyal Zor, Mitgründer und CEO von Airwayz. „Das Korridor-Prinzip ist daher einfach nicht praktikabel, um Drohneneinsätze für den kommerziellen Einsatz zu skalieren. Dieses Pilotprojekt wird zeigen, wie Drohnen in einem Netz arbeiten und sicher auf Echtzeit-Situationen reagieren können, sodass gleichzeitig die Effizienz maximiert wird und wirtschaftlich tragfähige Drohnenlieferungen möglich werden.” 

Nach Hersteller-Angaben verfügt die selbst entwickelte UTM-Plattform über spezielle KI-Funktionen wie eine erweiterte Missionsplanung, Fernsteuerfunktionen und mehrere autonome Flugmodi, die in ein Cloud-basiertes Netzwerk und eine dezentrale Schwarmtechnologie integriert sind. Dies soll laut Airwayz die operative Koordination von Drohnenflotten ermöglichen, die verschiedene Missionen ausführen. „Die Umsetzung dieses Pilotprojekts, bei dem der Betrieb verschiedener Drohnen durch eine Reihe unterschiedlicher Betreiber im selben Luftraum demonstriert wird, markiert den Beginn eines neuen Zeitalters im intelligenten Transportwesen Israels“, freut sich Dr. Ami Appelbaum, Vorsitzender der Israel Innovation Authority, unter deren Leitung das international beachtete Vorhaben stattfindet. „Beginnend mit der Lieferung von Medikamenten und medizinischen Geräten über Agrar- und Postdienste bis hin zur Lieferung von Lebensmitteln stellt dies eine Revolution im Transportwesen dar, wie wir es kennen. Die Entwicklung dieses Ökosystems wird es uns zusammen mit unseren Partnern ermöglichen, in diesem neuen Zeitalter eine weltweite Führungsrolle zu übernehmen.” 

Foto: Airwayz



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