„Luftbrücke“ um die halbe Welt
Zwei Antonows, drei Flüge, 370 Tonnen Spezialfracht

Sieben An-124 betreibt Antonov Airlines, die hauseigene Frachtfluggesellschaft von Antonow aus Kiew. Zwei von ihnen stellten sich kürzlich einer besonderen Herausforderung: Es galt, 370 Tonnen Maschinenteile aus Melbourne in ein brasilianisches Bergwerk zu bringen.

Es gibt Missionen, die bringen selbst die erfahrenen Spezialisten von Antonov Airlines ins Schwitzen. Der Cargo-Carrier aus Kiew, spezialisiert auf den Transport sperriger Fracht auf dem Luftweg, ist seit Beginn der Corona-Pandemie weltweit gefragt wie selten. Doch eine regelrechte „Schwerlast-Luftbrücke“ über die halbe Welt, von Australien nach Südamerika, gehört auch für die Ukrainer nicht wirklich zum Alltagsgeschäft.



Von Melbourne nach Belém

Da man sich bei Antonov Airlines aber gerne Herausforderungen stellt, nahm man den Auftrag des Frachtcharter-Brokers Chapman Freeborn selbstverständlich an: Im Namen von Vale S.A. aus Brasilien, einem der größten Bergbauunternehmen der Welt, war dieser auf der Suche nach einer Möglichkeit, 370 Tonnen Maschinenteile aus Melbourne in Australien ins nordbrasilianische Belém zu bringen. Das ganze musste möglichst schnell ablaufen, damit die Arbeiten in der nahegelegenen Vale-Eisenerzmine weitergehen konnten. Deshalb blieb als einzige Option nur der Luftweg.




Antonov Airlines

Die Gesamtlast wurde auf drei Flüge aufgeteilt. Hier wird ein Teil der Fracht in Melbourne verladen.

Flüge mit vielen Zwischenstopps

Da das größte Flugzeug im Portfolio von Antonov Airlines, die An-225 „Mrija“, derzeit außer Gefecht ist, weil ihm zwei seiner sechs Triebwerke fehlen, schickten die Ukrainer zwei An-124 nach Melbourne. Die 34 Jahre alte UR-82008 und die knapp 30-jährige UR-82029 übernahmen den Auftrag. Die 370 Tonnen Gesamtlast wurden auf drei Flüge aufgeteilt: UR-82008 machte am 21. Februar den Anfang, UR-82029 folgte knapp eine Woche später, am 27. Februar. Den dritten Flug übernahm abermals die RA-82008, nachdem sie über Cancún und Honolulu nach Australien zurückgekehrt war. Er startete am 2. März in Melbourne und endete am 7. März in Belém. Das hohe Gewicht der Fracht machte unterwegs zahlreiche Zwischenstopps notwendig – und deshalb eine Route über Eurasien: Die Antonows machten Station auf den Flughäfen von Darwin, Johor Bahru, Delhi, Baku, Leipzig, Reykjavik, Bangor, Orlando und Paramaribo.



Patrick Zwerger

Die schwere Fracht erforderte unterwegs viele Zwischenstopps. Auch in Leipzig machten die Antonows Station.

„Anspruchsvolles Projekt“

„Der Zeitplan war herausfordernd“ erklärt Ana Bocchini, Frachtmaklerin bei Chapman Freeborn. Anfangs habe man die Ankunft der drei Flüge in Belém innerhalb von sechs Tagen kalkuliert. „Nach Bewertung der Ladung mussten wir den Plan aber auf neun Tage ausdehnen.“ Dabei seien auch einige Flugabschnitte abgeändert worden, „um Verzögerungen und geschlossene Landebahnen zu umgehen“, so Bocchini weiter. Nach jeder 14-Stunden-Pause musste sich die Crew unterwegs zudem einem Corona-Schnelltest unterziehen. Wolodimir Gonscharow, kaufmännischer Leiter bei Antonov Airlines, sprach auch deshalb von einem „anspruchsvollen Projekt, das wir innerhalb einer engen Frist abschließen mussten.“




Antonov Airlines

Antonov Airlines habe mit der „Weltumrundung“ einmal mehr ihr Können bewiesen, freut sich Vertriebsleiter Gonscharow.

Speziell gebaute Transportgestelle

Dabei befasste sich Antonov Airlines nicht nur mit dem Frachttransport an sich. Zwei der Ausrüstungsgegenstände, darunter ein gigantischer Bohrerschaft, erforderten darüber hinaus den Bau eines Spezialgestells für den sicheren Lufttransport. Diesen Job übernahmen die Lastenplanungs-Ingenieure von Antonow. Für Antonov Airlines sei die „Weltumrundung“ eine weitere Gelegenheit gewesen, das eigene Können zu beweisen, unterstreicht Wolodimir Gonscharow stolz. „Dank guter Koordination und der hervorragenden Kommunikation zwischen den Teams von Antonov Airlines und Chapman Freeborn konnten wir die Flüge erfolgreich durchführen.“


UAV DACH: Beitrag im Original auf https://www.flugrevue.de/zivil/von-melbourne-nach-brasilien-zwei-an-124-drei-fluege-370-tonnen-spezialfracht/, mit freundlicher Genehmigung von FLUG REVUE automatisch importiert. Der Beitrag gibt nicht unbedingt die Meinung oder Position des UAV DACH e.V. wieder. Für die Inhalte ist der UAV DACH e.V. nicht verantwortlich.