Vereisung im Flug ist der natürliche Feind aller Piloten. Tritt sie dennoch auf, darf ein Flugzeug nicht gleich wie ein Stein vom Himmel fallen. Auch Russlands neuer Airliner hat nun bewiesen, dass er es im Ernstfall selbst mit dicker Eisschicht aufnehmen kann.

Für die Zulassung eines neuen Flugzeugs ist die Erprobung unter natürlichen Vereisungsbedingungen Pflicht. Was Piloten im Alltag später möglichst vermeiden, betreiben ihre Kollegen im Testbetrieb bis zum Exzess: Gezielt steuern sie ihr Flugzeug in Eiswolken, schalten dabei sogar alle Schutzsysteme ab und lassen der Eisbildung damit freie Bahn. So lässt sich erörtern, ob die Konstruktion des Flugzeugs auch unter derlei erschwerten Bedingungen hält, was sie verspricht, und das Flugzeug trotz starken Eisansatzes stabil in der Luft bleibt.


Wolkenflüge in Russlands Norden

Auch die Irkut MS-21, Russlands neuer Kurz- und Mittelstreckenjet, musste sich im Rahmen ihres Zulassungsprogramms dieser Herausforderung stellen. Vom 24. März bis zum 7. April schickte Irkut deshalb den ersten Prototypen der MS-21, Kennzeichen 73051, ins nordrussische Archangelsk. Dort herrschen im Frühjahr perfekte klimatische Bedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit, häufigem Niederschlag und mehrschichtigen Wolken, wie der Hersteller erklärt. 14 Mal stieg die MS-21 während ihres zweiwöchigen Testaufenthalts von Archangelsk aus in den Himmel und suchte – mit Unterstützung des Wetterdiensts – zwischen Weißem Meer, Barentssee und Ural nach Eiswolken.



Fliegen im Grenzbereich

Während der drei bis fünf Stunden währenden Flüge tastete sich die Crew unter der Leitung von Testpilot Wasili Sewastjanow Stück für Stück an die aerodynamischen Grenzen der MS-21 heran. Mitfliegende Techniker, Kameras und spezielle Messgeräte zeichneten jeden Schritt sorgfältig auf. „Die Dicke der Eisschicht nahm von Flug zu Flug zu“, erklärte Irkut nach Ende der Testkampagne. Das Maximum sei schließlich mit einer Eisschicht von acht Zentimetern erreicht worden. Zum erfolgreichen Bestehen der Tests hätten laut Vorgaben der Zulassungsbehörden 7,6 Zentimeter ausgereicht, so der Hersteller weiter.



UAC (Michael Polyakov)

Die Irkut MS-21-300 soll noch in diesem Jahr ihre Zulassung erhalten – deutlich später als ursprünglich einmal erhofft.

Tests erfolgreich abgeschlossen

Die russischen Ingenieure untersuchten jedoch nicht nur, wie sich Eisansatz am Flugzeug auf dessen Flugverhalten niederschlägt. Auch die integrierten Schutzsysteme der MS-21 mussten zeigen, dass sie im Zweifelsfall Vereisung wirksam vorbeugen und bekämpfen können. Außerdem habe man die Funktionsfähigkeit weiterer Systeme untersucht, wie etwa Beleuchtung, Funkkommunikation und Fahrwerk. Die mitfliegenden Vertreter der russischen Luftfahrtbehörde waren mit den gezeigten Leistungen der MS-21 offenbar zufrieden. Jedenfalls kann Irkut auf der Zielgeraden der Flugerprobung nun einen weiteren Punkt im Lastenheft des neuen Flugzeugs abhaken. Der Hersteller rechnet weiter mit einer Zulassung der MS-21 noch in diesem Jahr.


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