In der Corona-Pandemie ist der Umsatz der deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie 2020 um 25 Prozent zurückgegangen, was zu einem Abbau von 9000 Stellen führte.

Die am Dienstag veröffentlichten Zahlen des BDLI zeigen einen Einbruch von 41 Milliarden Euro auf 31 Milliarden Euro. Die Gesamtzahl ihrer Beschäftigten sank von insgesamt 114000 auf 105000.


Dieser Rückgang resultiert nahezu ausschließlich aus dem massiven Rückgang des Umsatzes in der zivilen Luftfahrtindustrie. Lag der Umsatz in dem größten Segment der Branche 2019 noch bei 32 Milliarden Euro, waren es im zurückliegenden Geschäftsjahr nur noch knapp 22 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Einbruch von rund einem Drittel. Die Beschäftigtenzahl sank von 81000 um 8200 auf knapp 73000.


Hauptursachen sind die auf dem Weltmarkt deutlich weniger verkauften Flugzeuge im Jahr 2020 – allein Airbus lieferte 2020 mit 566 knapp 300 Flugzeuge weniger aus als in 2019 (863) – aufgrund der seit über einem Jahr anhaltenden drastischen Reiseeinschränkungen. Jedes sechste Verkehrsflugzeug weltweit wird in Deutschland endmontiert und ausgeliefert, und an jedem weltweit ausgelieferten Flugzeug ist die mittelständisch geprägte Zulieferindustrie beteiligt. Die Systemhersteller sind ebenso wie die tief gestaffelte, bundesweit beheimatete Zulieferkette vom Einbruch des internationalen Reiseverkehrs maßgeblich betroffen, so der BDLI.


„Mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl um 8.200 hat sich der Verlust von Arbeitsplätzen in unserer High-Tech-Branche in 2020 noch in Grenzen gehalten – aber ausschließlich dank des wirksamen Instruments der Kurzarbeit. Einen stärkeren Personalabbau erwarten und befürchten wir jedoch für dieses und das kommende Jahr“, sagt Reiner Winkler, Vize-Präsident Luftfahrt des BDLI.


Raumfahrt und militärische Luftfahrt

Die Umsätze in der Raumfahrtindustrie sind um ca. 15 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro (2019: 2,7 Milliarden Euro) gesunken. Corona-bedingt gab es Probleme in der Lieferkette und weniger Launcher-Starts. Mit 9600 Beschäftigten (2019: 9700 MitarbeiterInnen) ist die Beschäftigung stabil geblieben.


Von strategisch unverzichtbarer Bedeutung ist eine Erhöhung des Nationalen Programm für Weltraum und Innovation auf 500 Mio. Euro p.a. mit dem Ziel, die deutsche Raumfahrtindustrie weiterhin wettbewerbsfähig aufzustellen, so der BDLI.


Das Segment der militärischen Luftfahrtindustrie verzeichnete eine leichte Erhöhung im Umsatz von 6,7 Milliarden Euro auf 7,1 Milliarden Euro bei gleichzeitig leichter Reduzierung der Beschäftigtenzahl um zwei Prozent von 23300 auf 22900.


Im zurückliegenden Geschäftsjahr konnten gleich mehrere Großvorhaben in die Umsetzung gebracht werden, die durch ihre hohe Lieferanten-Beteiligung auch wirtschaftliche Absicherung der Zulieferkette bedeuteten. Laut BDLI muss nun die Ausgestaltung weiterer strategischer Vorhaben folgen, mit besonderem Augenmerk auf FCAS (Future Combat Air System). Es sei ein „Fundament an Planungssicherheit“ notwendig. „Einsparungen bei den Programmen bedeuten für die technologische und industrielle Position sowie für die Souveränität Deutschlands in Europa und der Welt unmittelbare negative Konsequenzen“.


Insgesamt fiel im zurückliegenden Geschäftsjahr der Exportanteil im Vergleich zu 2019, gemessen am Umsatz der Gesamtbranche, leicht von 77 Prozent auf 74 Prozent. Die industrieeigenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen weiterhin auf hohem Niveau. Sie umfassten ein Volumen von rund 2,9 Mrd. Euro; diese Zahl entspricht einem Anteil von 9,3 Prozent des Branchenumsatzes.


Herausforderungen für die Zukunft

Mit Blick in die Zukunft führt Winkler aus: „Das grüne Fliegen ist Zukunft, und sie hat bereits begonnen. Wir nutzen die Krise als Chance. Unser erklärtes Ziel ist, dass das klimaneutrale Flugzeug der Zukunft in Europa und in Deutschland entwickelt und gebaut werden wird. Deshalb setzt sich der BDLI stark für Forschungsmittel und Finanzierung von Technologie-Demonstratoren ein.


Das Know-how für die Technologien für Flugzeuge der Zukunft ist an den Standorten in Deutschland vorhanden. Nur eine klimaneutrale Luftfahrt behält ihre Lizenz zum Wachsen und kann nachhaltige Mobilität dauerhaft gewährleisten. Dazu bedarf es zielgerichteter und weitsichtiger Investitionen in alle technologischen Aspekte rund ums Fliegen: In neuartige Antriebe ebenso wie integrierte Flugsysteme, leistungsfähige Leichtbaustrukturen und Digitalisierung und nicht zuletzt nachhaltige Flugkraftstoffe. Dazu zählt auch der Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur“.


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