Die Boeing 747-400 namens „Tanker 944“ ist der Star unter den Löschflugzeugen. Ob sie je wieder zum Einsatz kommt, ist jedoch fraglich: Das Flugzeug steht zum Verkauf – und könnte womöglich als Frachter enden. Dabei wurde „Tanker 944“ gerade erst modernisiert.

Halsbrecherische Manöver, dicht über den Baumwipfeln, bei von Rauchschwaden vernebelter Sicht: Die Einsätze von Feuerlöschflugzeugen sind spektakulär. Die Missionen fordern viel fliegerisches Können, doch sie sind im Kampf gegen Waldbrände eine wichtige Waffe. Vor allem dann, wenn ein „Wasserbomber“ mit einem einzigen Flug 70.000 Liter Löschmittel auf die Feuersbrünste werfen kann. Ein Kunststück, das weltweit nur ein einziges Flugzeug zustandebringt: die Boeing 747-400 der Firma Global SuperTanker, genannt „Tanker 944“. Der Jumbo Jet besitzt acht Drucktanks in seinem Hauptdeck, die ihren Inhalt auf Knopfdruck direkt durch die unterm Rumpf angebrachten Sprühdüsen nach draußen leiten. Schon manch verheerenden Waldbrand half „Tanker 944“ auf diese Weise im Zaum zu halten. In den USA, in Israel, in Chile, Mexiko oder Bolivien: Wo immer der Riesen-Löschbomber auftauchte, sorgte er für Furore.


Bald wieder Frachtflugzeug?

Nun aber könnte die schillernde Karriere des Feuerwehr-Jumbos ein jähes Ende finden. Wie das Magazin „Fire Aviation“ berichtet, legt die Investorengruppe, der die 747 gehört, Flugzeug und Betreiber an die Kette. „Diese Woche haben mich die Investoren darüber informiert, dass sie die schwierige Entscheidung getroffen haben, den Betrieb des Unternehmens mit Wirkung ab dieser Woche einzustellen“, zitiert „Fire Aviation“ aus einer Email von Global SuperTanker-Chef Dan Reese an offizielle Stellen in Colorado, Oregon, Washington und an die US-Regierung. Der Großteil seiner Mitarbeiter sei bis auf Weiteres beurlaubt, so Reese weiter. Derweil stehe man in Verhandlungen mit möglichen Interessenten, die den Lösch-Jumbo kaufen und damit über sein weiteres Schicksal entscheiden könnten. Allerdings sei es unklar, ob am Ende der Gespräche ein Weiterbetrieb als Löschflugzeug stehe, oder ob „Tanker 944“ wieder zum Frachter rückgerüstet werde. Als solcher war der Jumbo Jet zwischen 2012 und 2013 für Evergreen im Einsatz.



Modernisierung im Winter

Die Entscheidung der Geldgeber sei in jedem Fall „äußerst enttäuschend“, unterstrich Reese. Schließlich habe das Flugzeug erst im Winter einige Upgrades erfahren, „um es sicherer und effizienter zu machen“. So habe man etwa das alte, analoge Abwurfsystem, das den Löschmittel-Ausstoß steuert, gegen ein digitales Pendant ersetzt. Dies war offenbar eine Forderung des National Interagency Aviation Committee (NIAC), das in den USA für die Zulassung von Löschflugzeugen zuständig ist. Das alte System stammt noch aus dem Vorgänger, einer Boeing 747-100. Das neue System soll gründlicher und zuverlässiger arbeiten. Es ist so angelegt, dass die 747 ihr Löschmittel in etwa 100 Metern Flughöhe gleichmäßig über mehrere Kilometer verteilt, oder mit bis zu acht einzelnen Sprühstößen konzentriert ausstößt. Vor allem aber stellt es sicher, dass sich das Flugzeug auch bei schlagartiger Gewichtsverlagerung stets sicher fliegen lässt.

Teuer, aber wirkungsvoll

Der Betrieb des Flugzeuges ist sehr wirksam – aber auch ziemlich teuer. Berichte reichen von 16.000 US-Dollar für jeden einzelnen Löscheinsatz bis zu 250.000 Dollar pro Tag. Der bis 2016 vollzogene Umbau zum Löschbomber soll mehr als zehn Millionen Dollar verschlungen haben. Seit Januar befindet sich der Jumbo, der den Taufnamen „Spirit of John Muir“ trägt, zur Wartung in Moses Lake. Bis auf zwei kurze Testflüge im März war er seither nicht mehr in der Luft. Mit Baujahr 1991 ist die Zelle der einst mit Seriennummer 25308 für Japan Air Lines gebauten 747 zwar nicht mehr taufrisch, aber durchaus noch für einige Dienstjahre gut. Es fragt sich nur, ob die „Spirit of John Muir“ auch künftig ihr Alleinstellungsmerkmal als größter Löschbomber der Welt behalten darf – oder ob sie bald in der grauen Masse der Jumbo-Frachter verschwindet.


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