Als letzte Airline weltweit nutzte Mahan Air aus Teheran bis 2020 eine Boeing 747-300 für Passagierflüge. Dann ging der Oldtimer in Rente. Nun holt sich Mahan Air ihr Alleinstellungsmerkmal zurück – mit einer anderen 747-300, die über fünf Jahre nicht geflogen ist.

Es geschah am 15. Oktober 2015 auf Flug IRM1095 von Teheran nach Bandar Abbas. Die Boeing 747-300 der Mahan Air, Kennzeichen EP-MNE, war gerade vom Teheraner Flughafen Mehrabad gestartet. An Bord befanden sich 422 Passagiere und 19 Besatzungsmitglieder. Sie alle werden diesen Tag sicher nie vergessen, denn Flug IRM1095 kam nie in Bandar Abbas an. Schuld daran war ein kapitaler Motorschaden: Mit einem lauten Knall quittierte Triebwerk Nummer drei mitten im Steigflug seinen Dienst. Trümmer wirbelten herum, schlugen in den Rumpf und beschädigten auch das Nachbartriebwerk. Unter großer Anstrengung gelang es den Piloten, das havarierte Flugzeug rund 40 Minuten nach dem Start wieder in Teheran zu landen. Alle Insassen kamen mit dem Schrecken davon.




Shahram Sharifi (GDFL 1.2)

Zwei Boeing 747-300 besitzt Mahan Air. Die eine erhielt nun zwei Triebwerke von der anderen, damit sie wieder fliegen kann.

Totgesagte leben länger

Für das Flugzeug, die damals knapp 30 Jahre alte EP-MNE, schien der Vorfall ein Todesstoß zu sein. Mehr als fünf Jahre lang verschwand die Maschine von der Bildfläche, während ihre Schwester, die vier Monate ältere EP-MND, bis ins vergangene Jahr als weltweit letzte 747-300 im Passagierdienst ihrer Pflicht nachging. Die jedoch ist mittlerweile abgestellt – und genau das scheint für die EP-MNE der Schlüssel zum Comeback zu sein: Wie der Luftfahrt-Blog samchui.com berichtet, wurde die verunfallte 747-300 nämlich nicht nur vollständig repariert, sondern erhielt auch einen frischen C-Check. Dabei verpflanzten die Mahan Air-Techniker zwei Triebwerke der pensionierten Schwester unter den Flügel der EP-MNE. Seit dem 14. April, so Sam Chui auf seinem Blog, befindet sich das nun 35 Jahre alte Flugzeug wieder im Dienst.



Eingeplant für Inlandsrouten

Damit erhält Mahan Air zugleich ihr Alleinstellungsmerkmal zurück: Sie ist fortan wieder die einzige Fluglinie auf der Welt, die noch eine aktive Boeing 747-300 in der Flotte hat. Nirgendwo sonst ist diese klassische Variante des Jumbo Jets noch anzutreffen – zumindest nicht als Passagierjet. Insgesamt nur drei 747-300 sind weltweit als aktiv gemeldet: Neben der EP-MNE im Iran fliegt ein Exemplar als Frachter für TransAviaExport Airlines aus Weißrussland, ein weiteres gehört dem saudischen Königshaus. Mahan Air wird ihren Oldie wie gehabt auf stark frequentierten Inlandsrouten einsetzen. Sam Chui nennt Bandar Abbas, die Insel Kisch und Maschhad als Flugziele, allesamt mit Startpunkt Teheran.


Die Sitzkonfiguration der Boeing 747-300 von Mahan Air. Im Oberdeck befindet sich die Business Class.

Aus der Not geboren

Luftfahrtfans und Nostalgiker dürften ob dieser Nachricht aus Nahost ziemlich verzückt sein. Dass im Iran längst totgeglaubte Flugzeuge zu neuem Leben erwachen, hat allerdings weniger nostalgische, sondern vielmehr pragmatische Gründe. Die nach wie vor geltenden Sanktionen erlauben es dem Iran noch immer nicht, auf offiziellem Weg neue Flugzeuge zu beschaffen. Auch die Beschaffung von Ersatzteilen gestaltet sich schwierig. Iranische Fluglinien sind daher einerseits gezwungen, ihr vorhandenes Inventar so lange wie irgendwie möglich zu nutzen. Andererseits muss bei Wartung und Reparatur oft improvisiert werden, weshalb sich die Arbeiten stark in die Länge ziehen können. Mahan Air selbst reaktivierte erst 2019 eine Boeing 747-400 wieder – nach fast einem Jahrzehnt Flugpause.


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