Die Pandemie hat die Luftfahrt durcheinandergewirbelt. Großraumjets transportieren nun Test-Kits und Masken statt Passagiere – auch an Orte abseits klassischer Hubs. Eine besondere Rolle im „Maskenbusiness“ spielen Carrier aus dem Osten und der Flughafen Leipzig/Halle.

Russlands Airlines waren noch nie die großen Player im Fokus europäischer Langstreckenreisender. Noch während des Kalten Krieges mussten europäische Airlines Ausgleichszahlungen an den Kreml leisten, wenn sie russische Städte in direkter Konkurrenz zu Aeroflot bedienten oder auch nur in den Luftraum des weltgrößten Landes einfliegen wollten. Diese politische Einnahmequelle finanzierte wiederum die defizitäre Aeroflot über viele Jahrzehnte mit. Während Aeroflot, Rossija und Nordwind Airlines im Bewusstsein deutschsprachiger Langstrecken-Passagiere immer noch ein Schattendasein fristen und vergleichsweise wenige Reisende über ihre russischen Hubs leiten, so waren sie schon kurz nach Beginn der Corona-Krise die ersten Fluggesellschaften, die mit umgebauten Passagiermaschinen Schutzausrüstung aus Südostasien nach Deutschland brachten. Diese Vorreiterrolle haben sie bis heute inne.


Russlands Big Player im „Maskenbusiness“

Aeroflot etwa landete Ende April 2020 das erste Mal mit Masken an Bord auf deutschem Boden. Die Maschinen vom Typ Boeing 777-300 und Airbus A330-300 starten ihre Reise zumeist in Guangzhou in China und legen einen Zwischenstopp am Hub der Airline in Moskau Scheremetjewo ein, bevor sie Kurs auf das Cargo-Hub in Leipzig oder nach Frankfurt nehmen. In Höchstzeiten konnten durchschnittlich bis zu sechs Flugverbindungen pro Woche ausgelastet werden.



Ural Airlines stellt sich sonst verstärkt in den Dienst des russischen Inlandsverkehrs und Urlaubsreisender. Doch auch der nationale Carrier Russlands hat sich schnell an die neuen Gegebenheiten angepasst und nutzt seine A321-Flotte zum Transport von Schnelltests und anderer medizinischer Ausrüstung nach Deutschland. Das Routing startet dabei zumeist in Peking und führt über Jekaterinburg und Nowosibirsk nach Leipzig/Halle.


Rossija Airlines ist Teil der Aeroflot Group und bedient ab Sankt Petersburg größtenteils stark nachgefragte Feriendestinationen wie Antalya oder Phuket, aber auch die europäischen Metropolen. Kurz nach Aeroflot begann Rossija ebenfalls mit dem Anbieten von Frachtflügen. Bedient werden die Routen ausschließlich mit Boeing 777-300. Hauptumschlagsplatz ist auch hier wieder der Flughafen vor den Toren Leipzigs.