Das Weiße Haus hat Zugriff auf eine ganze Flotte von Hubschraubern und Flugzeugen. Neben Präsidenten-Trips mit „Air Force One“ und „Marine One“ sind die Spezialeinheiten von Air Force und Marine Corps aber auch für weitere Aufgaben zuständig.

Wenn amerikanische Präsidenten auf Reisen gehen, nutzen sie bevorzugt Hubschrauber und Flugzeuge, die am Rande von Washington jederzeit bereitstehen. Auch Joe Biden macht da keine Ausnahme. Wenige Tage nach Amtsantritt hob er am 29. Januar zum ersten Mal in seiner neuen Rolle an Bord der Sikorsky VH-3D vom Rasen an der Südseite des Weißen Hauses ab. Es ging zu einem Informationsbesuch über die Corona-Impfkampagne ins gerade einmal 14 Straßenkilometer entfernte Walter Reed National Military Medical Center in Bethesda.



Col. Sonkiss completes 'fini flight' as 89th AW commander


USAF

Die Boeing C-32A ist eher als „Air Force Two“ bekannt, befördert aber auch Regierungsmitglieder und Abgeordnete.

Die erste „Geschäftsreise“

Auch der erste Flug mit der „Air Force One“ (in diesem Fall einer C-32A) am 5. Februar von der Andrews AFB zum New Castle County Airport bei Wilmington in Delaware (Wohnort der Bidens) war ein kurzer Hüpfer von 150 Kilometern – Gesamtreisezeit inklusive Hubschrauber-Zubringer vom White House: 50 Minuten. Die erste „Geschäftsreise“ in der Boeing VC-25A war dann am 16. Februar zum General Mitchell International Airport in Milwaukee für eine „Town Hall“-Veranstaltung. Drei Tage später nutzte Biden für die Stippvisite beim Pfizer-Impfstoffwerk in Kalamazoo, Michigan wieder eine C-32A.


Egal wer im Weißen Haus residiert, die speziell für den VIP-Transport bereitstehende Flotte der US-Streitkräfte hat also gut zu tun – selbst wenn in letzter Zeit große Auslandsreisen nach Europa oder Asien nicht auf der Agenda standen. Zuständig für die Reiseaktivitäten ist das White House Military Office (WHMO), zu dessen „operativen Einheiten“ die Presidential Airlift Group und die Marine Helicopter Squadron One (HMX-1) zählen.


VH-3D fliegen seit 45 Jahren

Stationiert ist die HMX-1 auf der Marine Corps Base Quantico in Virginia, wobei die Helikopter für den Shuttledienst zur Andrews AFB normalerweise auf der nur fünf Kilometer vom Weißen Haus entfernten Joint Base Anacostia-Bolling stehen. Geflogen wird hier seit 45 Jahren mit Sikorsky VH-3D, die immer noch wie neu wirken. Die elf Helikopter erhielten in den letzten Jahren unter anderem Systeme für den Satellitenempfang von Wetterdaten und die Breitbandkommunikation.




White House

Die VH-3D („Marine One“) starten vom penibel gepflegten Rasen an der Südseite des White House.

White Hawk

Als zweites Hubschraubermuster stehen seit November 1988 noch acht VH-60N „White Hawk“ zur Verfügung. Sie sind vor allem für Auslandseinsätze gedacht und können einfach per Lufttransport verlegt werden. Im Januar 2020 brachten sie zum Beispiel Präsident Trump von Zürich zum Weltwirtschaftsforum nach Davos. Bei solchen Missionen fliegen mehrere äußerlich identische Hubschrauber, die während des Flugs die Position wechseln, sodass nicht klar ist, in welcher der Präsident sitzt. Logistische Unterstützung bei Auslandsreisen leisten auch ein Dutzend Bell/Boeing MV-22B Ospreys.


Presidential Airlift Squadron

Während das Marine Corps die Präsidentenhubschrauber betreut, ist für die Flugzeuge die Air Force, genauer gesagt der 89th Airlift Wing auf der Andrews AFB südöstlich von Washington (17 Kilometer Luftlinie zum White House) zuständig. Zu dem Geschwader gehört die Presidential Airlift Squadron mit ihren beiden VC-25A. Diese basieren auf der Boeing 747-200B und fliegen seit September 1990 als „Air Force One“. Die Jumbo Jets haben vielfältige Kommunikationssysteme, eine eigenständige Gepäckladevorrichtung, ausfahrbare Treppen vorn und hinten und können inder Luft betankt werden. Der Präsident verfügt über eine Executive Suite, die aus einer Kabine (mit Umkleideraum, Toilette und Dusche) und dem Büro besteht. Außerdem gibt es ein Konferenz-/Esszimmer. Weitere separate Bereiche sind für Gäste, Mitarbeiter, Sicherheitspersonal sowie Medienvertreter vorhanden. Dazu kommen zwei Bordküchen und ein Abteil mit medizinischer Ausrüstung.




White House

Zur Ausstattung der VC-25A gehört auch ein großer Konferenztisch, hier mit Präsident Obama.

Umfangreiche Kommunikationssysteme

Die vier C-32A, die ebenfalls öfter von Präsident und Vizepräsident genutzt werden, gehören zur 1st Airlift Squadron. Sie sind mit umfangreichen Kommunikationssystemen bestückt und haben neuerdings zum Beispiel eine zweite Satcom-Antenne auf dem Rumpf. Die Ausstattung umfasst einen „Stateroom“ für den Präsidenten, einen Konferenzraum und eine Kabine mit 32 Business-Class-Sitzen.


Upgrade für die Präsidentenflotte

Ein Teil dieser Präsidentenflotte soll in den kommenden Jahren ersetzt werden. So arbeitet Boeing derzeit in San Antonio daran, zwei 747-8, die wegen der Pleite von Transaero Airlines nicht ausgeliefert wurden, in VC-25B umzuwandeln. Die letzte Jumbo-Version bietet deutlich mehr Nutzfläche, was zum Beispiel für einen sehr viel besser ausgestatteten Medizinbereich genutzt wird. Außerdem steigt die Zahl der ständig auf Station befindlichen Kommunikationsspezialisten von drei auf vier. Die VC-25B bietet eine Reichweite von 14815 Kilometern, wobei allerdings auf eine Luftbetankungsfähigkeit verzichtet wird. Offiziell kosten die beiden Flugzeuge einen Festpreis von 3,9 Milliarden Dollar, doch alles in allem dürften es über fünf Milliarden Dollar werden. Die Lieferungen sollen im Dezember 2024 beginnen.



VH-92A Tests Flight Over White House


USMC

Sikorsky baut die VH-92A, die ab Sommer die anderen Präsidentenhubschrauber ablösen soll.

Bereits in diesem Sommer wird der Ersatz für die VH-3D und VH-60N erwartet, und zwar die Sikorsky VH-92A, die im Mai 2014 als Gewinner des VXX-Wettbewerbs ausgewählt wurde. Zuvor war die Beschaffung der von Lockheed Martin umgerüsteten AW101 (VH-71A) wegen explodierender Kosten gescheitert. Das neue Programm umfasst nun 21 Hubschrauber (plus zwei für die Ausbildung) für 4,9 Milliarden Dollar (4,15 Mrd. Euro).


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