General Atomics hat RUAG Aerospace Services übenommen
„Umfassende Luftfahrtkompetenz in Oberpfaffenhofen“

Der amerikanische Rüstungs- und Hochtechnologiekonzern General Atomics ist vor allem für seine Militärdrohnen bekannt. Das breit gefächerte Europageschäft wurde nun im Luftfahrtbereich durch die Übernahme von RUAG Aerospace Services deutlich ausgebaut. Geschäftsführer Harald Walter Robl erläutert die Ziele.

FLUG REVUE: Was hat General Atomics Europe zur Übernahme von RUAG Aerospace Services in Oberpfaffenhofen bewogen?


Harald Walter Robl : Uns haben vor allem die umfassende Luftfahrt-Kompetenz des Teams in Oberpfaffenhofen und die breite Zertifizierungsbasis für die Entwicklung, Herstellung und Wartung von Luftfahrzeugen überzeugt. Wir treffen auf Mitarbeiter, deren Motivation und Kompetenz wir kennen und sehr schätzen. Diese Kombination aus Know-how und produktseitigen Gestaltungspotenzialen ist in Deutschland eine Seltenheit geworden. Der Standort ist hervorragend aufgestellt und deshalb sieht unser Zukunftskonzept auch die Fortführung der bestehenden Geschäftsfelder in Oberpfaffenhofen vor. Mit der neuen General Atomics AeroTec Systems GmbH haben wir jetzt unsere Marktposition in der europäischen Luftfahrt-Industrie nachhaltig gestärkt. Wir sind nun auch in Deutschland ein starker und breit aufgestellter Anbieter, der sowohl im zivilen als auch im militärischen Luftfahrt-Geschäft den Anspruch hat, ein verlässlicher Partner und vor allem ein Innovationstreiber zu sein.


FLUG REVUE: Welche Unterstützung gab es aus der Politik, um die Investition attraktiv zu machen?


Harald Walter Robl: Der Akquisitionsprozess ist von der bayerischen Staatsregierung sehr konstruktiv begleitet worden. Wir haben von Anfang an gespürt, dass GA-Europe als Investor in Bayern willkommen ist und haben diesen Zuspruch sowohl in der Bayerischen Staatskanzlei als auch ganz besonders im Bayerischen Wirtschaftsministerium erfahren. Unser Zukunftskonzept für den Technologie-Standort Oberpfaffenhofen und seine Belegschaft hat ganz offensichtlich überzeugt. Dementsprechend haben wir aus der Politik die Hilfestellung erhalten, die man sich als strategischer Investor wünscht. Ganz besonders bemerkenswert und durchaus selten ist, dass unser Zukunftskonzept von Anfang auch die Belegschaft, den Betriebsrat und die Gewerkschaft überzeugt hat. Es wird auch weiterhin vorbehaltlos unterstützt.


FLUG REVUE: Was passiert mit der Do 228?


Harald Walter Robl: Die Do228 ist ein hervorragendes Flugzeug mit außergewöhnlichen Flugeigenschaften und genießt zurecht eine hohe Wertschätzung weltweit. Selbstverständlich wissen wir, dass die Maschine es zuletzt schwer im Markt hatte. Aber genau daran werden wir arbeiten. Es gilt also, zuerst die eigenen Hausaufgaben zu machen, die wir jetzt mit hoher Priorität angehen werden. Unsere Kunden werden sich auf uns als einen OEM mit einem breit angelegten, flexiblen Leistungsangebot für Service, Wartung, umfassender Ersatzeilversorgung und modernstem, Simulator unterstützten Pilotentraining verlassen können. Wir werden ab sofort ganz gezielt mit einem schlüssigen Konzept für die Do228 auf bestehende und künftige Kunden zugehen. Sie werden uns als Hersteller vom Erwerb über den wirtschaftlichen Betrieb bis hin zu einer kundenspezifischen Modernisierung für ihre individuellen Bedürfnisse an ihrer Seite haben. Die erste Resonanz ist ausgesprochen positiv.


Wir werden also an diesem Flugzeug definitiv festhalten und es darüber hinaus für unterschiedliche Anwendungen weiterentwickeln. Beispielsweise steckt in der Kombination des Know-hows rund um die Do228 mit unseren Kompetenzen im Bereich der unbemannten Flugzeuge perspektivisch ein großes Potenzial. Stichwort: unbemannte Frachtfliegerei. Eines der wichtigsten Innovationsprojekte am neuen Standort wird also sein, die führende Technologie der Generals Atomics im Bereich der unbemannten Fliegerei in die Plattform der Do228 zu integrieren und hierdurch ein im zivilen Luftraum zulassungsfähiges unbemanntes System zu generieren. Dazu werden die Spezialisten aus dem GA-Konzern mit voller Unterstützung unserer Eigner zusammenarbeiten, um dieses Projekt sehr zeitnah erfolgreich zu machen. Dieses unbemannte System wird über die derzeitige Commuter-Klasse der Do228 hinaus auch upscale-fähig sein. Ziel ist dabei in erster Linie die zivile Frachtfliegerei.


FLUG REVUE Wird Oberpfaffenhofen eine Rolle bei der Unterstützung der MQ-9 in Europa spielen? (Engineering Services etc.)


Harald Walter Robl: Oberpfaffenhofen verfügt über alle Kompetenzen, um im Rahmen unseres „European Regional Sustainment Network“ (ERSN) Service-Leistungen auch für Komponenten aus unbemannten Systemen unserer europäischen Kunden zu übernehmen. Mit Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden und Belgien haben sich bereits sechs europäische Nationen für unbemannte Systeme von General Atomics entschieden. An diese Kunden werden wir ein noch besseres Leistungsangebot richten können. Auch für ein mögliches deutsches MQ-9 Programm könnte der GA-Europe-Standort Oberpfaffenhofen hervorragend als systembetreuendes Unternehmen sowie Wartungs- und Reparaturbetrieb fungieren und dabei auch etwaige besondere deutsche Anforderungen jederzeit sicherstellen.


FLUG REVUE: Wie sieht die Auftragslage im zivilen und militärischen Wartungsgeschäft aus, und wie wollen Sie hier neue Aufträge an Land ziehen?


Harald Walter Robl: Die zivile Geschäftsfliegerei hat noch immer mit den Effekten der Pandemie zu kämpfen. Dies gilt nicht nur auf der Marktseite, sondern stark auch bei der notwendigen, eigenen Belieferung mit hochspeziellen Ersatzteilen. Dennoch sehen wir gute Chancen, unsere Position im MRO-Markt zu erhalten und dauerhaft zu festigen. Natürlich steht dabei die verbesserte Zusammenarbeit mit wichtigen OEM wie Bombardier und Embraer im Zentrum unserer Bemühungen. Aber auch an die Betreiber werden wir ein attraktives Angebot richten. Wir verfügen über ein hochspezialisiertes Know-how. So ist beispielsweise unser Paint Shop bei Kunden weit über Europa hinaus sehr geschätzt. Als eine der ersten unmittelbaren Maßnahmen nach der Übernahme holen wir die Wartung der Honeywell TPE-331 Triebwerke, die sowohl in der Do228 als auch an MQ-9 Systemen zum Einsatz kommen, wieder zurück nach Oberpfaffenhofen.


Als Instandhaltungsbetrieb für Hubschrauber der Bundeswehr genießt das Unternehmen einen hervorragenden Ruf als effizienter und terminorientierter Partner. Auch diesen Geschäftsbereich wollen wir nicht nur erhalten, sondern stärken und weiter ausbauen.


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