Belarus stellt die Landung eines Ryanair-Flugs in Minsk als Entscheidung der Piloten dar – und veröffentlicht Funkschnipsel, um die These zu stützen. Eine Stellungnahme des Europäischen Rats lässt hingegen darauf schließen, dass die Ryanair-Crew massiv bedrängt wurde.

ATC Minsk: „Ryanair, zu Ihrer Kenntnis – uns liegen Informationen der Dienste vor, nach denen Sie eine Bombe an Bord haben, die über Vilnius gezündet werden kann.“ Ryanair-Pilot: „Können Sie das bitte wiederholen…?“ Die belarussische Luftfahrtbehörde CAA hat Ausschnitte des Funkverkehrs vor der Notlandung des Ryanair-Flugs 4978 in Minsk veröffentlicht. Das Transkript soll offensichtlich Vorwürfe entkräften, nach denen der Apparat um Machthaber Alexander Lukaschenko die Boeing 737-800 nach Minsk entführt hat, um eines unliebigen Journalisten an Bord habhaft zu werden.


„Woher haben Sie diese Information?“

Die Piloten nehmen die Bombenwarnung mit Skepsis zur Kenntnis: „Woher haben Sie diese Information?“ Der Fluglotse antwortet vage: „Sicherheitspersonal des Flughafens, die haben das per Email erhalten.“ Die Piloten haken nach: „Vom Sicherheitspersonal des Flughafens Vilnius oder aus Griechenland?“ Jetzt fällt die Antwort patzig aus: „Diese Email wurde mit mehreren Flughäfen geteilt.“ Ryanair will den Ausschnitt weder bestätigen noch dementieren. „Ryanair kooperiert in vollem Umfang mit den EU-Sicherheitsbehörden und der NATO“, teilte die Airline auf Anfrage mit. „Aus Sicherheitsgründen können wir keinen weiteren Kommentar abgeben.“

72 Kilometer nach Vilnius, 183 Kilometer nach Minsk

Letztlich, so stellt Belarus den Ablauf dar, fragen die Piloten bei der Flugsicherung den nächsten Landepunkt an und werden auf Minsk verwiesen – obwohl FR4978 sich zu diesem Zeitpunkt laut Flugdaten von „Flightradar24“ nur noch 72 Kilometer vom Zielflughafen Vilnius aber 183 Kilometer vom Flughafen Minsk entfernt befindet. Gute 100 Kilometer vorher hätte die Crew eigentlich den Anflug auf Vilnius einleiten müssen, hält aber weiterhin Reiseflughöhe. Erst 30 Kilometer – wenige Flugminuten – vor der Grenze zu Litauen dreht FR4978 scharf bei und ändert seinen Kurs auf Minsk.


NATO: „Erzwungene Umleitung“

Eine Stellungnahme des Europäischen Rats lässt ahnen, warum die Piloten kurz vor Einflug in sicheren EU-Luftraum nachgeben. „Das Flugzeug wurde von einem belarussischen Militärjet zur Landung gezwungen“, halten die EU-Staatschefs in einer gemeinsamen Erklärung fest. Belarus hatte die 737-800 mit einer MiG-29 abgefangen.


Nach der EU hat am Mittwoch die NATO die „erzwungene Umleitung“ geschlossen verurteilt. Diese „inakzeptable Tat“ stelle einen „erheblichen Verstoß gegen die Regeln der Zivilluftfahrt“ dar und habe das Leben der Passagiere und der Besatzung gefährdet, heißt es in der Erklärung des Nordatlantikrats.


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