Airbus will gegen 2025 Mittelstreckenjets in vierstelligen Stückzahlen produzieren. Der Flugzeugbauer weist Zulieferer an, sich schon bis Frühjahr 2023 auf einen Takt von 64 Maschinen aus der A320-Familie pro Monat einzustellen. Doch der Sprint birgt auch Risiken.

Von Schubumkehr auf Startleistung: Vor gut einem Jahr hatte der Konzern angesichts des Nachfrageeinbruchs die Produktion von 60 auf 40 gedrosselt, statt sie wie geplant nach und nach auf 63 hochzufahren. Jetzt will Airbus den Zielwert sogar noch übertreffen. „Die Luftfahrtbranche beginnt sich von der Covid-19-Krise zu erholen“, sagte Airbus-Chef Guillaume Faury vergangene Woche in Toulouse. Vor allem in China und den USA zieht der Inlands-Reiseverkehr wieder an. Bis zum Herbst 2021 will Airbus die Produktion wie geplant auf 45 A320-Maschinen schrauben.


„Knackige Produktionspläne“

Bis Anfang 2024 sieht Airbus die Chance, pro Monat 70 A320 und A321 auszuliefern. Die Zulieferer sollten sich auf dieses Szenario einstellen, forderte Faury. „Längerfristig“, also bis 2025, seien bis zu 75 Maschinen im Monat drin – fast doppelt so viele wie zurzeit. Der A220 traut Airbus bis dahin 14 statt fünf Flugzeuge pro Monat zu. Analysten staunten daraufhin über „knackige Produktionspläne“ – setzt Airbus den Hochlauf in avisierter Form um, wird der Konzern gegen Mitte des Jahrzehnts die Rekordzahl von 1.068 Single-Aisle-Flugzeugen pro Jahr herstellen. Selbst in guten Jahren vor der Krise entsprach dies etwa dem kombinierten Los von Airbus und Boeing.



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Die A320-Familie soll von der Schwäche der Konkurrenz aus Seattle profitieren. Mehr als 1.000 Exemplare will Airbus ab 2025 jährlich bauen.

Boeings Schwäche

Neben der Markterholung spielen Airbus die anhaltenden Probleme des US-Erzrivalen mit dem Konkurrenzmodell 737 MAX in die Hände.Der Flugzeugtyp hatte nach zwei tödlichen Abstürzen mehr als ein Jahr Flugverbot und kämpft unter den Argusaugen der US-Luftfahrtbehörde weiter mit Qualitätsproblemen. In China – dem wichtigsten Exportmarkt für die 737 MAX – ist das Flugzeug nach wie vor gesperrt. Airbus will Boeing in den nächsten Jahren weitere Kunden abjagen. Der US-Preisbrecher Southwest Airlines hatte sich zuletzt zwar nach längerer Prüfung für die 737 MAX und gegen die A220 entschieden. Ausschlaggebend sollen dabei aber auch Zweifel an der Lieferfähigkeit von Airbus gewesen sein.


In den USA schwappt zudem eine Nachfragewelle im unteren Langstreckensegment auf die Hersteller zu, die Airbus abschöpfen will: Hunderte Boeing 757 und 767 stehen vor der Ablösung. Airbus will den Bedarf mit neuen A321LR und A321XLR decken. United und American haben mit je 50 A321XLR bereits angebissen.




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Hat ehrgeizige Pläne für die Zeit nach der Krise: Airbus-Chef Guillaume Faury.

Airbus strafft die Produktion

Airbus ist gerade dabei, die Produktion so tiefgreifend umzubauen wie lange nicht mehr. Die vor mehr als einem Jahrzehnt ausgegliederte Rumpf-Montage soll wieder enger an den Konzern angebunden werden. Betriebsräte und die Gewerkschaft IG Metall zweifeln aber an den damit verbundenen Zusagen. Für den Verkaufsschlager A321neo soll eine dritte Endmontage-Linie neben Hamburg und Mobile (USA) in Toulouse aufgebaut werden. „All diese Maßnahmen haben wir auf den Weg gebracht, um uns auf die Zukunft vorzubereiten“, sagte Faury.


Bei Langstrecken-Flugzeugen dürfte der Aufschwung dagegen noch auf sich warten lassen. Vom A350 baut Airbus derzeit fünf pro Monat, bis Herbst 2022 soll es einer mehr werden. Bei der A330-Familie bleibt es bei zwei Maschinen pro Monat. Das Segment unterstreicht das Risiko der „knackigen Produktionspläne“ – vor der Krise hatten Airbus und Boeing den Markt auf einen neuen Superzyklus bei Langstreckenjets eingestimmt, der eigentlich gerade richtig Fahrt hätte aufnehmen sollen.


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