Wenn man über abgelegenen Gegenden fliegt, stellt man sich unweigerlich immer die Frage: Was passiert, wenn ich jetzt runter muss? Am 16. September 1948 ist Martin Mitzkus und Marvin Alvey genau das passiert.

Am frühen Morgen des 16. September 1948 sah das Wetter fliegbar aus in Forsyth, Montana. Die beiden Freunde Martin Mitzkus und Marvin Alvey machten sich in den frühen Morgenstunden an Bord ihrer Taylorcraft auf den Weg über Casper in Wyoming zu einem Verwandtenbesuch nach Denver im Nachbarstaat Colorado. Aufgrund des guten Wetters gaben sie keinen Flugplan auf, denn der Flug schien sicher.


Rote Taylorcraft vermisst

Doch in Denver kamen sie nie an. Die Verwandten dort dachten, die beiden wären gar nicht losgeflogen, und schöpften keinen Verdacht. Die Familie in Montana dachte, sie seien gut gelandet. So kam es, dass erst am 3. Oktober, nach einem Telefonat der Angehörigen, klar wurde, dass die beiden Piloten nie angekommen waren. Um 15:35 Uhr ging bei der Flugsicherung die Meldung ein, dass eine rote Taylorcraft vermisst würde, und der Air Rescue Service (ARS) der US Air Force wurde alarmiert.


Unbewohnte Waldregion

Der östliche Rand der Rocky Mountains mit seinen Laramie-Bergen, über den die Flugroute vermutlich führte, ist eine größtenteils unbewohnte Waldregion mit bis zu über 2000 Meter hohen Erhebungen. Die ARS-Verantwortlichen stellten schnell einen Plan auf, und bereits eine Stunde später war das Suchgebiet eingegrenzt und die ersten beiden Maschinen wurden der Suche zugeteilt. Die Douglas C-47 und SB-17 (Version der Boeing B-17) erreichten in den frühen Morgenstunden des 4. Oktober das Zielgebiet. Die C-47 begann mit der Suche südöstlich von Casper. Von der Colorado Air National Guard borgte man sich kurzerhand einen Hughes-H-5-Helikopter und eine Stinson L-5, die den Bereich nördlich und westlich von Cheyenne absuchten.


Überlebende am Boden ausgemacht

Wenige Stunden später funkte die Crew der Douglas, dass sie das Wrack der Taylorcraft gefunden und auch Überlebende am Boden ausgemacht hätte. Per Fallschirm hatten sie bereits ein Survival-Kit abgeworfen. In Casper begab sich ein Rettungsteam an Bord der SB-17. Dieses Team war eine Para-Rescue-Einheit, die mit Fallschirmen über der schwer zugänglichen Gegend abspringen sollte. Wegen des auffrischenden Windes machte sich auch ein Boden-Team auf den Weg ins Absturzgebiet, da die Fallschirmspringer nicht bei jedem Wetter eingesetzt werden konnten.


Verschneites Gebiet

Das Boden-Team rund um Lieutenant Moser traf nach einigen Stunden im beschriebenen Gebiet ein. Aus der Luft wurde es bei der Suche weiterhin durch die C-47 und die L-5 unterstützt. Erstere dirigierte die Rettungsmänner über Funk, und als sich diese der Absturzstelle näherten, kreiste die L-5 über dem verschneiten Gebiet. Die Rettungscrew konnte mit ihrem Weasel-Rettungsfahrzeug nah an die Stelle herankommen, die L-5 machte noch drei Überflüge und verabschiedete sich dann.


Müsliriegel und Regenwasser

Martin Mitzkus hatte den Absturz nicht überlebt. Marvin Alvey hatte sich das Bein gebrochen, war sonst aber in guter Verfassung. Er hatte die Zeit in der Wildnis mit einer Schachtel Müsliriegel und Regenwasser überlebt. Die Rettung kam für ihn gerade noch rechtzeitig, denn der einsetzende Winter und Schneefall hätten ein viel längeres Überleben verhindert. Alvey wurde ins Krankenhaus nach Casper gebracht und erholte sich vollständig.


Air Rescue Service

Der Air Rescue Service, der Alvey das Leben rettete, gehörte zum Military Air Transport Service. Hauptaufgabe des ARS war es, abgestürzte Militärangehörige in entlegenen Gegenden zu retten. Hin und wieder wurden die fliegenden und auch landgestützten Einheiten auch für zivile Aufgaben eingesetzt. Der ARS wurde 1946 aufgestellt und war bis 1995 aktiv. Das Motto des ARS lautete: „That others may live.“ Heute werden diese Aufgaben von Einheiten des Air Combat Command ausgeführt.


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