Die Antonow An-12 fliegt seit 1957, und noch immer sind zahlreiche Exemplare des Turboprop-Transporters auf der ganzen Welt im Einsatz. Die russische Luftwaffe hat die An-12 ebenfalls im Dienst – und zeigt, was das alte Arbeitspferd noch drauf hat.

Die Amerikaner hatten die Hercules, Deutschland die Transall – und in der Sowjetunion bauten sie die Antonow An-12. Doch während die erstere stetig weiterentwickelt wurde und die zweite kurz vor der Pensionierung steht, hat die An-12 die vergangenen Jahrzehnte genauso unverändert überstanden, wie sie mutmaßlich auch die kommenden Jahrzehnte weiterfliegen wird. Noch immer leistet die robuste Turboprop-Viermot zuverlässig ihren Dienst, sowohl beim Militär als auch bei zivilen Fracht-Airlines. Dabei marschieren selbst die neuesten Exemplare stramm auf die 50 zu: gebaut wurde die An-12 ab 1957, die letzten Maschinen liefen 1972 vom Band.



„Sarajevo Approach“ auf Russisch

Einer der Hauptnutzer der An-12 ist bis heute die russische Luftwaffe, für die Antonow den Schulterdecker einst entwickelte. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte jetzt Fotos einer Übung rund um den Flugplatz Migalowo in der Oblast Twer. Die Bilder zeigen eine An-12 der Transportfliegerkräfte beim steilen Gefechtsanflug. Dabei steuert die Besatzung den anvisierten Flugplatz zunächst aus großer Höhe an, um dann kurz vor dem Ziel steil hinabzustechen, das Flugzeug knapp über dem Boden abzufangen und zu landen. Bei der deutschen Luftwaffe ist dieses Anflugverfahren seit den Transall-Einsätzen im Bosnienkrieg als „Sarajevo Approach“ bekannt. Die Russen nennen es den „afghanischen Landeanflug“ – in Anspielung auf die sowjetische Intervention am Hindukusch zwischen 1979 und 1989. Das Ziel ist jeweils dasselbe: sich möglichst lange vor feindlichem Beschuss zu schützen.




Russisches Verteidigungsministerium

Zu übersehen ist die An-12 kaum, wenn sie herabsticht – zu überhören auch nicht…

„Maximale Konzentration“

An die Sinkrate der Transall, die bis zu 30,5 Meter pro Sekunde betragen kann, kommt die ähnlich große und schwere An-12 nicht ganz heran. Wenn die russischen Piloten ihre rauchenden Turboprop-Schlachtrösser mit Sinkraten von 25 Metern pro Sekunde, also 90 km/h, fast senkrecht Richtung Erde drücken und erst 150 Meter überm Boden in den Gleitpfad übergehen, sieht das trotzdem ziemlich beeindruckend aus. „Dieses Manöver erfordert von der Besatzung eine hohe Koordination und maximale Konzentration, da das Flugzeug mit hoher Vertikalgeschwindigkeit sinkt“, betonte Flugausbilder Maxim Semenenko in einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums.


Vielseitiges Arbeitstier

Dass die An-12 auch sonst ein eindrucksvolles Flugzeug ist, unterstreicht nicht nur ihr sonor dröhnender Klangteppich, der selbst im Überflug aus sieben Kilometern Höhe unverkennbar ist. So kann sie im Einsatz beinahe ihr eigenes Gewicht an Fracht aufnehmen: Bei einer Leermasse von 28 Tonnen fasst sie bis zu 20 Tonnen Zuladung. Zum Vergleich: die Transall schafft bei vergleichbarem Leergewicht „nur“ 16 Tonnen. Die Hercules-Version C-130H kann 20,4 Tonnen tragen, ist allerdings leer auch sechs Tonnen schwerer als die An-12.




Russisches Verteidigungsministerium

Die An-12 dürfte für Russlands Luftwaffe noch viele Jahre unverzichtbar sein.

Befeuert von 17.000 PS geballter Turboprop-Power aus ihren vier Iwtschenko-AI-20M-Propellerturbinen ist die Antonow im Idealfall nach 850 Metern Startstrecke in der Luft. Und durch das drei Meter breite und über zweieinhalb Meter hohe Ladetor im Heck passen auch gepanzerte Fahrzeuge, wie etwa der Luftlandepanzer BMD-1. Alternativ kann die An-12 bis zu 60 Fallschirmjäger aufnehmen.


Für Russlands Luftwaffe dürfte die An-12 aus diesem Grund noch Jahre unverzichtbar sein – ein adäquater Nachfolger jedenfalls, der sie ersetzen kann, ist weit und breit nicht in Sichtweite.


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