Ein Sturm namens „Mrija“
An-225 bringt Pumas nach England – und pustet Zaun um

18 Tage nach ihrem ersten Testflug startete die Antonow An-225 am 22. Juni von Kiew-Gostomel Richtung Kabul. Im Auftrag der NATO holte sie drei britische Hubschrauber ab und flog sie nach Brize Norton. Die Air Base dort braucht jetzt einen neuen Begrenzungszaun.

Auf dem Militärflugplatz Brize Norton haben sie schon viel gesehen. Immerhin firmiert der Fliegerhorst in der englischen Grafschaft Oxfordshire als größte Luftwaffenbasis der Royal Air Force (RAF) und beherbergt die komplette britische Tank- und Transportflugzeugflotte. Früher war Brize Norton die Heimat der legendären Vickers VC10, heute sind unter anderem Airbus A400M, KC-30 Voyager und Boeing C-17 dort stationiert. Das schwerste Flugzeug der Welt, die Antonow An-225 aus der Ukraine, ist aber auch in Brize Norton ein höchst seltener Anblick. Kein Wunder, dass der Zaun rund um die Air Base am gestrigen Donnerstag gesäumt war von Schaulustigen – schließlich war für gestern ein Besuch der „Mrija“ (deutsch: Traum) genannten Gigantin in Brize Norton angekündigt.



Kiew, Kabul, Karatschi, Brize Norton

Die An-225 war zwei Tage zuvor in ihrer Heimat Gostomel nahe Kiew gestartet und in die afghanische Hauptstadt Kabul geflogen. Dort unterstützte sie den aktuell laufenden NATO-Truppenabzug und lud unter anderem drei britische Puma-Helikopter in ihren gut 43 Meter langen Frachtraum. Nach einem technischen Stopp in Karatschi, wo die „Mrija“ betankt wurde und die Crew einige Stunden ausspannen konnte, brach das sechsstrahlige Flugzeug zu seiner zehnstündigen Reise nach Brize Norton auf. Als es am Nachmittag dort einschwebte, wurde es bereits von Scharen Schaulustiger empfangen, die alle einen Blick auf das imposante Einzelstück erhaschen wollten.

Der Zaun geht in die Knie

Mit noch mehr Action wurde belohnt, wer bis zum Abflug der „Mrija“ rund vier Stunden später in Brize Norton blieb. Als diese nämlich, von der Südseite des Fliegerhorsts kommend, auf die Startbahn 25 rollte, um sich in Richtung Kiew zu verabschieden, hatten die Zuschauer, die sich hinter dem Lattenzaun am Pistenende aufgereiht hatten, plötzlich freie Sicht auf die Base – und eine Menge heißen Sturmwind im Gesicht. Denn für den Holzzaun, augenscheinlich nicht von der robustesten Sorte, war der Schub der sechs D-18-Turbofans der Antonow schlicht zu viel: Die Beplankung hielt dem „Mrija“-Sturm nicht stand. Sie riss von den Stützpfosten ab und knickte einfach um. Ein Video, das die Szene festhält, zeigt flatternde Zaunteile und davonspringende Spotter, die vor dem Jet Blast der Gigantin zurückweichen.


Verletzte gab es bei dem unwerwarteten Spektakel keine. Die „Mrija“ hob unbeeindruckt ab und landete rund drei Stunden später wieder in Gostomel. Die Royal Air Force in Brize Norton braucht jetzt einen neuen Zaun – aber immerhin kamen die drei Pumas aus Afghanistan sicher zurück nach Hause.


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