Die Luftfahrtindustrie wurde von der COVID-19-Pandemie besonders schwer getroffen. Doch wie sehen nun ihre Aussichten auf Erholung aus?

In den Boomjahren bis 2019 verbuchten Fluggesellschaften durchgängig Rekordumsätze – die globale COVID-19-Pandemie hat dies alles auf den Kopf gestellt. Im Jahresverlauf 2020 schrumpfte die Zahl der Flüge auf die Hälfte zusammen. Ebenso wie die Nachfrage nach Instandhaltungsservices ging auch die Neuproduktion deutlich zurück.


Nichtsdestotrotz lag die MTU Aero Engines im Jahr 2020 über der durchschnittlichen Marktperformance. Dies lässt sich teilweise auf das sehr starke erste Quartal 2020 der MTU zurückführen, das dem Unternehmen eine gute Ausgangsposition verschaffte. Doch auch sein breit gefächertes Portfolio aus OEM, MRO und militärischen Aktivitäten hat wesentlich zu dieser Stabilität beigetragen. Im militärischen Bereich beispielsweise war ein gewisses Wachstum zu beobachten. Die deutschen Streitkräfte haben sich für den Quadriga Eurofighter mit EJ200-Triebwerken entschieden und der MTU damit Volumen gesichert. Das Future Combat Air System (FCAS) bildet perspektivisch die Grundlage für eine durch und durch europäische Lieferkette im Hightech-Bereich. Wie bei vielen Verteidigungsprojekten wird der zivile Bereich auch hier vom Technologietransfer profitieren. So werden neue Materialien und Prozesse den Weg zum emissionsfreien Fliegen und der nächsten Generation an Verkehrsflugzeugen ebnen.



PW1100G-JM Montagelinie bei der MTU Aero Engines
© MTU Aero Engines AG

Neue Technologien lassen sich aber auch außerhalb des militärischen Bereichs einsetzen. Denn trotz der Krise bleibt emissionsfreies Fliegen weit oben auf der Agenda. Die MTU investiert umfassend in die Erforschung und Entwicklung verschiedener Technologien, zum Beispiel Wasserstoffantriebe, Brennstoffzellenkonzepte und nachhaltige Kraftstoffe. In der Triebwerksentwicklung dauern Projekte allerdings Jahrzehnte. Zudem unterliegen diese Technologien immer noch Grenzen, beispielsweise bei Großraumflugzeugen. Deshalb fokussiert sich die MTU derzeit zusätzlich auf eine höhere Treibstoffeffizienz und Triebwerksleistung bei bestehenden Modellen wie dem Getriebefan und auf eine längere Haltbarkeit der einzelnen Komponenten. Im OEM-Bereich war dies 2020 ein wichtiger Schwerpunkt, der die MTU auch in den kommenden Jahren begleiten wird.


Im MRO-Bereich, ihrem dritten Standbein, konnte sich die MTU Maintenance 2020 Aufträge im Wert von 5,5 Mrd. Dollar sichern und mit Pratt & Whitney für die kommenden elf Jahre eine Netzwerkvereinbarung über das PW1100G-JM unterzeichnen. Die Shop Visits sind im gleichen Zeitraum im Netzwerk der MTU um nur 20 Prozent zurückgegangen. Die MTU ist daher optimistisch, dass sich dieser Bereich in diesem Jahr mit einem Zuwachs im zweistelligen Bereich erholen wird – vorausgesetzt, der Flugbetrieb zieht weiterhin verstärkt an. Noch 2020 hatten Analysten prognostiziert, dass die Nachfrage im gesamten MRO-Segment stärker, nämlich um rund 40 Prozent, einbrechen und sich frühestens 2022 oder 2023 erholen wird.




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MTU Maintenance: Near-Wing-Einsatz bei einem Kunden
© MTU Aero Engines AG

Dennoch wird der Weg aus der Krise nicht einfach werden. Fluggesellschaften kämpfen gerade ums Überleben und achten extrem auf ihre Barmittel. Wann sie wieder positive Cashflows verzeichnen, lässt sich schwer sagen. Die MTU muss sich auf einen harten Wettbewerb und starke Konkurrenz im MRO-Markt gefasst machen, kann dabei jedoch auf ein breites Angebotsspektrum zurückgreifen. Gestützt auf den Regionalflugverkehr insbesondere in China und den USA wird sich das Narrowbody-Segment voraussichtlich als erstes erholen. Für den Service dieser Triebwerke für die CFM56- und V2500-Familien verfügt die MTU weltweit über drei Standorte und ist somit gut aufgestellt.


Im Passagierverkehr findet die Klasse der Großraumflugzeuge voraussichtlich erst 2027 oder 2028 zu alter Form zurück. Viele Widebody-Kunden der MTU sind jedoch im Frachtverkehr aktiv und waren durchweg zu 100 Prozent ausgelastet, manche sogar mehr. Auch die Servicenachfrage für neuere Triebwerkstypen, zum Beispiel Nachrüstungen für das PW1100G-JM oder Services für das Leap-X blieben stabil, was den vermehrten Einsatz neuerer Modelle widerspiegelt. Bislang gehörten die meisten Flugzeuge, die wieder in Betrieb gingen, zu den neueren und beliebteren Typen; damit werden Triebwerke der neuen Generation auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle im Netzwerk der MTU spielen. Basierend auf dieser Markteinschätzung hält die MTU an ihren Wachstumsplänen fest: So bereitet das Unternehmen die Öffnung des neuen Reparaturstandorts MTU Maintenance Serbia vor und wird in China einen zweiten Standort errichten.


Insgesamt ist die MTU zuversichtlich, dass sich die Luftfahrtbranche langfristig erholen und die Reiselust wieder zunehmen wird. Für diesen Aufschwung ist die MTU in all ihren Geschäftsbereichen bestens gerüstet.


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