Russlands neues Transportflugzeug, die Iljuschin Il-112W, kämpft weiter mit Schwierigkeiten. Auch nach einer gründlichen Überarbeitung des Prototypen erfüllt die Maschine die Erwartungen der Regierung nicht. An einen Serienbau ist deshalb nicht zu denken – vorerst.

Russlands Vize-Ministerpräsident Juri Borissow fand deutliche Worte. Bei einem Besuch im WASO-Flugzeugwerk in Woronesch, dort, wo wo eigentlich bald schon die ersten Serienexemplare der Iljuschin 112W vom Band rollen sollen, stellte er ebenjener Il-112W ein ziemlich mieses Zeugnis aus. Das Flugzeug entspreche nach wie vor nicht den Forderungen des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation, machte Borissow klar. Und schob hinterher: „Solange Sie die geforderten Flugleistungen der Il-112 nicht bestätigen, ist es sinnlos, über Serienverträge zu sprechen.“



Neuer Flügel spart Gewicht

Allerdings sah der Vize-Premier bei seiner Visite in Woronesch auch Licht am Ende des Tunnels. Seit drei Jahren kämpfe man nun schon mit der Il-112 so Borissow. „Die Situation verbessert sich. Die Maschine erweist sich im Prinzip als recht gut.“ Nur eben noch nicht als gut genug, um in Russlands Luftwaffe die veralteten Antonow-Turboprops An-26 und An-32 zu ersetzen.


Dabei hat Iljuschin an der Il-112W bereits nach dem Erstflug im März 2019 umfassend Hand angelegt: Zwei Jahre vergingen, bis der Prototyp sich zum zweiten Mal in die Luft erhob, weil die Konstrukteure das Design des Flugzeugs überarbeiten mussten. Alle Flugzeugsysteme wurden „verfeinert“, auch die Aerodynamik der Il-112W nahm man sich im WASO-Werk noch einmal zur Brust. Außerdem setzten die Programmbeteiligten den Transporter auf Diät: Laut offiziellen Angaben verlor die Il-112W in ihrer zweijährigen Flugpause zwei Tonnen Gewicht – unter anderem dank einer Neugestaltung der Tragfläche, die nun als durchgehendes Bauteil auf der Rumpfoberseite sitzt.




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Die Iljuschin Il-112W ist für eine Zuladung von fünf Tonnen ausgelegt und kann neben Fracht auch Truppen und militärische Ausrüstung transportieren.

Dringender Bedarf

Trotz der anhaltenden Probleme betonte Juri Borissow in Woronesch jedoch auch, wie wichtig die Il-112W für Russlands Militär ist. Nach wie vor plane der Kreml, etwa 200 Exemplare in Dienst zu stellen – und das, wenn möglich, bereits ab dem Jahr 2023. Deshalb werde WASO garantiert „langfristig mit Bestellungen für die Il-112W versorgt“, sobald das Flugzeug den Erwartungen entspreche, versprach der Regierungsvertreter. Neben dem russischen Verteidigungsministerium stellte Borissow in diesem Zusammenhang auch die russische Garde, den Geheimdienst FSB und das russische Notfallministerium als Abnehmer in Aussicht.


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